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Geschichten zum Anfassen

Meine Tochter Julika ist Erzieherin und hat vor der Geburt ihres ersten Kindes als Sprachfachkraft in einer Krippe gearbeitet, die am Bundesprogramm Sprachkitas teilnimmt. Unter anderem hat sie dort auch mit den sogenannten Geschichtensäckchen gearbeitet. Im Gespräch erzählt sie uns, was sich dahinter und vor allem auch darinnen verbirgt.

Interview

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Magst Du mal erzählen, was genau es mit den Geschichtensäckchen auf sich hat?

Geschichtensäckchen sind, wie es der Name eigentlich schon verrät, einzelne Geschichten, verpackt in einem Stoffsäckchen. Das Besondere daran ist, dass die Geschichte nach und nach in Gestalt der Figuren aus dem Säckchen „auftaucht“ und die Kinder dadurch ganz besonders mitgehen können. Es ist ganz einfach, ein solches Geschichtensäckchen herzustellen. Man kann sich eine kleine Geschichte ausdenken oder greift auf eine bestehende zurück. Das Stoffsäckchen kann man selber nähen – so habe ich es gemacht – oder aber auch einen schon vorhandenen Stoffbeutel nehmen. Insgesamt geht es vielmehr um den Inhalt. Einmal um die Geschichte an sich, aber auch um besonders schöne und wertige „Mitspieler“.

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Welche Art von Geschichten und Figuren eignen sich besonders?

Gerade bei kleineren Kindern sollten die Geschichten nicht zu lang sein. Sie spielen diese dann immer wieder nach und mit und prägen sie sich so sehr schnell ein. Grundsätzlich sollte man auf Geschichten zurückgreifen, die die Fantasie der Kinder anregen und nicht zu fertig, zu abgeschlossen sind. Auch bei den Figuren ist es besonders wichtig, dass wir ihnen „Material“ in die Hand geben, das die Sinne auf angenehme Weise anspricht und anregt. Die Geschichte kann ganz einfach aus Alltagsgegenständen im Haus zusammengestellt oder auch gebastelt werden.

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Ich habe mich für die nachfolgende Geschichte für Figuren der Firma Ostheimer entschieden, da diese handgearbeiteten Stücke aus der Geschichte nochmal etwas ganz Besonderes machen und durch ihre Beschaffenheit gerade auch für die kleineren Kinder geeignet sind. Sie sind nicht zu fertig gestaltet, liebevoll von Hand gearbeitet, und damit bleibt eben Raum für die Fantasiekräfte. Auch im Rahmen meiner Arbeit als Erzieherin und Sprachfachkraft in einer Krippe habe ich bereits auch die Ostheimer-Figuren für die Geschichtensäckchen eingesetzt. Und nun, in Elternzeit, spielt bereits mein kleiner Sohn  mit den Figuren und ist von ihnen ganz begeistert.

Und wie kommt die Sprachförderung dabei ins Spiel?

Es ist schon lange bekannt, dass die sinnliche Wahrnehmung nicht nur die Fantasie- und Beziehungskräfte fördert, sondern auch eng verknüpft ist mit dem Spracherwerb. Je mehr sinnliche Anregung die Kinder durch Formen, Farben und Texturen erleben dürfen, umso mehr versuchen sie, diese Erlebnisse in Laute umzuwandeln. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen besonders angenehme Sinneseindrücke schenken, damit sie sich liebevoll mit ihrer Umgebung verbinden können. Nicht zu unterschätzen ist ebenso die aufmerksame Begleitung der Erwachsenen – das Geschichtenerzählen nimmt hier eine ganz wichtige Rolle ein. Kinder leben in jeder Hinsicht durch Nachahmung; das gilt natürlich auch für die Sprache. Wenn wir für das Geschichtenerzählen dann besondere Räume schaffen z. B. in einer Kuschelecke, beim Zubettgehen, in der kalten Jahreszeit mit einer Kerze, besonderen Düften usw., tauchen die Kinder ganz tief in diese Atmosphäre ein.

Das Spielen der Geschichte findet von Beginn an gemeinsam mit den Kindern statt. Sie dürfen sich das jeweilige Säckchen aussuchen – dabei gehört ein bestimmtes Säckchen (ob farbig oder gemustert) zu einer jeweiligen Geschichte, die sich darin verbirgt. Schon beim Auspacken der Figuren beginnt ganz behutsam die spielerische Sprachförderung, denn die Kinder benennen die Figuren und Gegenstände und prägen sich diese durch die Wiederholungen besonders gut ein. Die Kinder dürfen dann, entweder gemeinsam oder abwechselnd – das Spielen einer solchen Geschichte findet meist im kleinen Rahmen statt – die Figuren aufstellen und die Geschichte somit lebendig werden lassen. Man selbst erzählt die Geschichte dazu. Zum Ende der Geschichte wird alles wieder ins Säckchen verpackt, und auch dabei helfen die Kinder mit. Meist fordern die Kinder noch einige weitere Male ein und so entstehen auch Abwandlungen, Ergänzungen oder eigene kleine Geschichten der Kinder.

Magst Du uns anhand eines Beispiels mal zeigen, wie ein Geschichtensäckchen aussehen kann?

Ja, gerne! Hier kommt die Geschichte, Wie sich Molly, Fips und Löckchen verlaufen haben.

Auf dem Bauernhof nahe der großen Ulme leben viele Tiere. Im Frühling ist es dort besonders schön – die Sträucher blühen, die Frühlingblumen recken ihre Köpfe in die Höhe, die Hühner legen besonders fleißig Eier, denn bald ist es Ostern. Auch die Tierkinder werden in dieser Zeit geboren. Im Kuhstall hört man ein helles Muhen vom Kälbchen Molly, die Stute hat ihr Fohlen Fips zur Welt gebracht und auch das Schaf freut sich über Löckchen, ihr kleines Lamm. Schon bald erkunden die drei Tierkinder den Bauernhof – weil es so schön ist, tun sie das am liebsten zusammen.

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Hinter den Ställen fließt ein kleiner Bach. Die Tierkinder waren schon öfter dort und haben den Fischen beim Spielen zugeschaut. Eines Tages hat Fips eine Idee – er ist der mutigste von den Dreien. „Lasst uns doch mal schauen, wer auf der anderen Seite des Baches wohnt!“

Molly und Löckchen zögern, aber Fips geht einfach voran.

Auf der anderen Seite des Baches riecht es ganz anders, und so laufen die Drei voran – immer der Nase nach. Bis sie einen kleinen Wald entdecken.

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Der Geruch von Tannen und Waldboden macht sie ganz neugierig, aber auch etwas ängstlich. Vor allem Löckchen ist mulmig zu Mute. Und sie vermisst ihre Eltern. „Wie kommen wir denn bloß wieder nach Hause?“ 

Molly hört von Ferne den Bach rauschen und führt die Freunde zurück zur Brücke.

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Löckchen läuft ganz schnell zu Mama Schaf.

Und Molly zu Mama Kuh.

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Selbst der mutige Fips freut sich, wieder zu Hause zu sein und kuschelt sich ganz fest an.

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Am Ende eines so aufregenden Tages sind alle drei Familien froh, wieder beisammen zu sein.

Liebe Julika, vielen Dank für das Interview.

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