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Fleischlose Ernährung für Kinder – geht das?

Gibt’s das auch in vegan? Diese Frage habe ich in den letzten Monaten oft gehört. Kein Wunder, denn vegetarische und vegane Ernährung liegen voll im Trend. Und das ist auch gut so, schließlich ist unsere Ernährung im Moment alles andere als tier- und klimafreundlich, und sehr gesund sind die Unmengen von Fleisch, die wir durchschnittlich essen, auch nicht. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen orientieren sich deshalb um. Und manchmal sind es auch die Kinder, die plötzlich lieber auf Salamipizza und Wurstbrot verzichten wollen. Aber ist das eigentlich gesund? Und wie können Eltern damit umgehen, wenn ihr Kind plötzlich vieles nicht mehr essen mag? Darüber rede ich mit Frau Dr. Kühne vom Arbeitskreis für Ernährungsforschung e. V. in Bad Vilbel.

Interview

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Frau Dr. Kühne, ist eine Ernährung ohne Fleisch und Fisch auch für Kinder gesund?

Generell ja. Allerdings sollte man da differenzieren: Ist das Kind Lacto-Ovo-Vegetarier, nimmt es also Eier und Milchprodukte zu sich, habe ich überhaupt keine Bedenken. Eine vollwertige vegetarische Ernährung ist ohne weiteres möglich – die Eltern sollten nur darauf achten, dass der Speiseplan nicht zu einseitig ist. Schwieriger ist es, wenn das Kind vegan leben, also überhaupt keine tierischen Produkte zu sich nehmen möchte, zum Beispiel auch keinen Honig. Da müssen die Eltern schon ein bisschen schauen, ob es alles bekommt, was es braucht, und einige Nähstoffe müssen sie extra zuführen.

Auf welche Lebensmittel sollten Eltern denn besonders achten? Welche Nährstoffe könnten zu kurz kommen?

Zuerst fällt einem da natürlich Eiweiß ein. Generell gilt, dass wir eher zu viel Eiweiß zu uns nehmen als zu wenig. Für kleine Vegetarier ist die Versorgung mit Eiweiß gar kein Problem, da sie ja Milch und Eier zu sich nehmen. Und es gibt auch eiweißreiche Gemüse und Hülsenfrüchte, zum Beispiel Linsen, Kichererbsen, Erbsen oder Bohnen. Ein selbst gemachtes Hummus aus Kichererbsen oder ein Erbsenpüree aus getrockneten Erbsen schmeckt vielen Kindern gut, genauso wie weiße Bohnen in Tomatensauce. Nüsse und Saaten, die man als Topping über den Salat streuen kann oder die Portion Studentenfutter für die Schule sind ebenfalls gut Eiweißlieferanten.

Beim Eisen sollte man etwas genauer schauen. Das Eisen, das im Fleisch enthalten ist, wird tatsächlich besser aufgenommen als das in pflanzlichen Produkten. In Milchprodukten ist nicht so viel enthalten. Leider ist es auch so, dass Milch die Aufnahme von Eisen hemmt. Ich empfehle kleinen Vegetariern und Veganern, eisenreiches Getreide wie Hirse und Hafer mit Vitamin-C-reichem Gemüse oder Obst zu kombinieren, weil das die Eisenaufnahme fördert. Also morgens zum Müsli ein Stück Obst zu essen und mittags zum Getreidebratling ein Glas Orangensaft zu trinken. Quinoa ist ebenfalls sehr eisenreich und kann auch gut für Süßspeisen verwendet werden. Auch Nüsse und Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne enthalten Eisen, ebenso einige Gemüse wie Fenchel oder Brokkoli.

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Und auch auf die Versorgung mit Vitamin B12 sollten Eltern achten. Dieses wasserlösliche Vitamin kommt nur in tierischen Produkten vor, also auch in Milchprodukten und Eiern. Vegetarier müssen sich also keine Sorgen um ihre B12-Versorgung machen, Veganer schon. Deshalb sollte das Vitamin bei einer veganen Ernährung auf jeden Fall extra zugeführt werden, zum Beispiel als Tablette.

Eine gute Versorgung mit Vitamin D ist für Kinder ebenfalls wichtig. Vitamin D ist fettlöslich und kommt vor allem in tierischen Produkten vor, aber auch Pilze enthalten etwas Vitamin-D. 80 Prozent dieses Vitamins bilden wir allerdings selbst, wenn wir in ausreichendem Maße Sonnenlicht ausgesetzt sind. Kleine Vegetarier und Veganer sollten also viel Zeit im Freien verbringen.

Jod ist ebenfalls vor allem in Fisch und Fleisch vorhanden, aber auch in Milchprodukten. Veganer sollten also auch darauf achten, dass sie genügend Jod zu sich nehmen. Gute Jodlieferanten sind zum Beispiel Algen oder jodiertes Speisesalz.

Jetzt haben wir viel darüber gehört, was kleinen Vegetariern und Veganern fehlen könnte. Gibt es denn auch etwas, das bei dieser Ernährungsform besser ist?

Auf jeden Fall! Dadurch, dass Vegetarier und Veganer kein Fleisch oder Fisch essen, essen sie ja meistens mehr Obst, Gemüse und Getreide. Und damit sind sie in vielerlei Hinsicht viel besser versorgt als andere Kinder: zum Beispiel mit Folsäure, die besonders wichtig für das Wachstum ist, mit den B-Vitaminen (außer Vitamin B12), mit Vitamin C und Magnesium. Eben mit allem, was in Gemüse und Vollkorngetreide vorhanden ist.

Und worauf sollte ich noch achten, wenn mein Kind sich vegetarisch oder vegan ernähren möchte? Wie kann ich dafür sorgen, dass das Essen noch Spaß macht?

Generell würde ich hier wie schon oft dazu raten, sich sein Kind einfach genau anzuschauen. Bluttests liefern immer nur eine Momentaufnahme, aber durch aufmerksames Beobachten bekommt man schon mit, wenn dem Kind etwas fehlt.

Für Vegetarier ist es nicht schwer, den Spaß am Essen zu behalten. Gerichte wie Pfannkuchen mit Obst und Vollkornmehl sind zum Beispiel hervorragende Nährstoff-Lieferanten und schmecken dazu noch lecker. Pfannkuchen mit Ei entfallen leider für Veganer. Für eine vegane Alternative eignet sich Sojamehl statt Ei, und auch mit Mehl aus Hülsenfrüchten können leckere Pfannkuchen zubereitet werden. Generell halte ich es bei der veganen Ernährungsweise für schwieriger, Kindern ein unverkrampftes Verhältnis zum Essen zu vermitteln, und das ist fast genauso wichtig wie eine gesunde Ernährung.

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Würden Sie denn ein Kind darin unterstützen, sich vegetarisch zu ernähren?

Warum nicht? Unsere Ernährung führt ja tatsächlich zu großen Problemen für unsere Gesundheit und für die Umwelt. Wenn ein Kind sich entscheidet, etwas dagegen zu tun, finde ich das gut, weil unsere derzeitige Landwirtschaft nicht nachhaltig ist. Und bei einer abwechslungsreichen Ernährung kommt es auch bestimmt zu keinem Mangel.

Frau Dr. Kühne, Ich danke Ihnen für dieses Interview.

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Das hört sich doch gar nicht so kompliziert an: mit viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten ist man schon mal auf der sicheren Seite, besonders wenn das Kind Milch, Käse und Eier isst. Denn eine vegetarische oder vegane Ernährung ist zwar gut für Tiere, Umwelt und Klima, aber nicht zwangsläufig gesund. Schließlich sind Pommes und Schokoriegel auch vegetarisch. Auf eine ausgewogene Ernährung sollte man schon ein bisschen achten, aber das gilt ja für jeden, auch für Mischköstler. Da kann ich meinen besorgten Kolleginnen und Kollegen gleich mal Entwarnung geben – und ein gutes Pfannkuchenrezept gleich dazu.

Rezept Dinkel-Pfannkuchen - vegan

Für 2 Personen:

  • 125 g Dinkelfeinschrot
  • 250 ml Sprudel (Mineralwasser mit Kohlensäure)
  • Gewürze: Salz, Koriander
  • Zum Braten: Bio-Bratöl

Dinkelfeinschrot (-mehl) mindestens 30 Min. in Sprudel einweichen (wichtig zur Bindung, da kein Ei enthalten ist). Bio-Bratöl erhitzen, Teig zu goldbraunen Pfannkuchen braten. Nach Belieben füllen und einrollen.

Süße Füllung: Apfelmus, Marmelade 

Pikante Füllung: Käse, Salat, gekochtes Gemüse

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