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Das Zaubermittel Märchen

Zugegeben – nach dem letzten Gespräch mit Frau Sänger habe ich mir gleich das Buch „Heilende Märchen“ gekauft. Und ich finde es toll, denn neben jedem Märchen gibt es immer auch eine Erklärung für die Eltern. Unser Abendritual ist eine Kuschelrunde mit Vorlesen, da konnte ich gleich einen Praxistest machen – und ich bin begeistert!

Das Thema Märchen hat uns hier im Blog-Team absolut fasziniert, deshalb habe ich unsere Märchenfrau gebeten, uns noch mehr darüber zu erzählen. Zum Beispiel, warum ausgerechnet Märchen so wichtig für Kinder und ihre Entwicklung sind.

„Wusstet ihr, dass die Mutter als Symbolfigur eine helle und eine dunkle Seite hat? Im Märchen gibt es die „gute“ Mutter, die sich liebevoll um ihr Kind sorgt und es gibt auch die böse. Beide Anteile gehören zu der Mutterfigur. Jetzt mal ganz ehrlich! Beide Seiten gehören doch auch zu uns. Also, alles nicht so schlimm, wenn ihr mal die Fassung verliert und eure „dunkle Seite“ mit euch durchgeht. Ihr helft euren Kindern, ihr seelisches Gleichgewicht zu entwickeln. Sie erleben mit euch: auf der Welt gibt es beides - das Gute und das Böse!“

Johanna Sänger darüber, wie Märchen uns helfen

Lasst andere teilhaben

Märchen sind wichtig für Kinder, weil Märchen Kindern guttun. Und wir alle - Eltern, Erzieher/innen und Lehrer/innen – möchten ja, dass es den Kindern gut geht. Natürlich kann man darüber streiten, was genau das heißt. Aber beim Thema Märchen ist die positive Wirkung aus meiner Sicht vollkommen unstrittig. 

Märchen sind so angelegt, dass sie Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter direkt am Lebensnerv treffen. Märchen holen ein Kind genau da ab, wo es in seiner Entwicklung gerade steht. Wenn ihr ein paar Punkte beachtet, dann wird die erste Begegnung eurer Kinder mit Märchen zu einem gelungenen Start in eine gute Beziehung zu diesen. Hilfreich ist es zum Beispiel, wenn ihr euch vorher überlegt, mit welchen Märchen ihr anfangen möchtet. Nicht jedes Märchen ist für jede Altersstufe geeignet. Deshalb findet ihr hier eine Auswahl von Märchen für bestimmte Altersstufen, die Frau Sänger für uns zusammengestellt hat.

Warum tun Märchen uns gut? Der Neurobiologe und Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther hat ausgiebig zu dem Thema Märchen geforscht. In seinem Aufsatz „Weshalb wir Märchen brauchen“ (siehe Dickerhoff, H. Lox H. (Hg.): Märchen für die Seele) stellt er seine Forschungsergebnisse vor – klar und verständlich.

Ich fasse seine Aussagen kurz zusammen:

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Märchen sind „Kraftfutter für Kindergehirne“.

Lernen funktioniert am besten, wenn es „unter die Haut geht“: Die emotionalen Zentren im Gehirn werden aktiviert und diejenigen Botenstoffe, die das Knüpfen neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen fördern, werden vermehrt gebildet und freigesetzt. Optimal für das Lernen ist es, wenn das Kind ein Märchen von einer Person erzählt bekommt, zu der es eine enge und vertrauensvolle Beziehung hat. Das Kind erfährt dann etwas über sich, über die Welt und das Leben.

Wichtig dabei ist auch die Atmosphäre, in der das Märchen erzählt wird: Sie kann das Lernen fördern oder hemmen. Im Gehirn des Kindes werden komplizierte Erregungsmuster aufgebaut und stabilisiert. Dabei sollen die emotionalen Zentren im Gehirn zwar anspringen, aber nicht überschießen und „Alarm“ melden.

Damit der emotionale Funke überspringen kann, ist es entscheidend, WIE Märchen erzählt oder vorgelesen werden. Das Kind muss merken, dass der Erzähler oder die Erzählerin selbst begeistert oder betroffen ist. Nur wenn es erlebt, dass es immer wieder angeschaut und das jeweilige Gefühl dabei zum Ausdruck gebracht wird, baut sich ein enger Kontakt auf und der oder die Erzählende kann sich so rückversichern, ob das Kind emotional noch dabei ist.

Märchen sind Balsam – nicht nur für die Seelen von Kindern, sondern auch für die Seelen der Erwachsenen!

Das „Zaubermittel Märchen“ wirkt, wenn eine emotionale Beziehung zwischen dem Kind und dem Inhalt und den Figuren des Märchens entstanden ist. Dabei macht es die einfühlsame Hilfe der Erzählerin oder des Vorlesers für das Kind leichter, sich auf das Märchen einzulassen.

Doch auch in den Gehirnen der Erzählenden passiert etwas: Alte Erinnerungen werden wach, Gedanken wandern zurück zum Inhalt der Geschichte. Denkt einmal an „Rapunzel“ oder „Der gestiefelte Kater“! Merkt ihr was? Steigt da etwas in euch hoch?  Noch deutlicher als die Erinnerungen an den Inhalt sind oft die Flashbacks an die Atmosphäre von damals, und sogar Körpergefühle können erinnert werden. 

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Wir spüren den Erfahrungsschatz der frühen Kindheit, den wir abgespeichert haben. Da Märchen solche frühen, emotional positiv bewerteten Erinnerungen wachrufen können, machen sie auch uns Erwachsene auf eine geheimnisvolle Weise wieder stark. So können Märchen wie Heilmittel auf die Seelen der Kinder und der Erwachsenen wirken.

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Märchen sind „Kitt“ für den Zusammenhalt einer Kulturgemeinschaft. 

Märchen transportieren nicht nur Geschichten, sondern auch die dazugehörigen Bilder und Botschaften eines bestimmten Kulturkreises. Sie tragen all dies zu den Kindern, die in den Kulturkreis der Erzählenden und der von ihnen ausgewählten Märchen hineinwachsen. Märchen können identitätsstiftend sein, denn sie schaffen eine gemeinsame Plattform von Vertrautem und Bekanntem. Auf dieser kann sich innerhalb der Gemeinschaft Wissen ausbreiten und der Zusammenhalt gestaltet werden.

Die Europäische Märchengesellschaft (EMG) empfiehlt, in unseren Breitengraden Kindern im Kindergarten– und Grundschulalter Grimm`sche Märchen anzubieten. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm entspringen dem deutschsprachigen Raum und sind den Kindern kulturell am ehesten vertraut. Jedes Familienmitglied, das aus einem anderen Land oder Kulturkreis stammt, sollte aber auch die Märchen SEINES Landes erzählen, denn dort „schlägt sein Herz“, da ist die Erzählende oder der Vorleser authentisch. Das Kind erlebt die Kultur der Mutter oder des Großvaters durch das Zusammenleben in der Familie. Die nicht deutsche Kultur ist ihm also ebenso vertraut und ein Teil seiner Identität. Märchen könnten in diesen Fällen helfen, dass ein Kind seine verschiedenen Identitätsanteile integrieren kann.

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben auf Märchen und gleich loslegen wollen: Hier könnt ihr vier Märchen hören, die Frau Sänger für uns vorgelesen hat: Der süße Brei, Die Königstochter in der Flammenburg, Zottelhaube, Märchen von der Unke. Hier findet ihr sogar die Bremer Stadtmusikanten vorgelesen von Frau Sänger und einem 11-jährigen Mädchen. Wir wünschen euch und euren Kindern viel Spaß dabei!

Wissenswert

Wenn ihr mehr über Märchen erfahren möchtet, findet ihr hier eine Liste mit Literaturempfehlungen, die Frau Sänger für euch zusammengestellt hat.

Lasst andere teilhaben

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Gabriele Delitsch

Super, endlich wird für Kinder Märchen die für eine sinnvolle pädagogische Entwicklung wichtig sind, etwas getan. Alle Achtung.

Antwort von Paola - Naturwichte

Liebe Gabriele,

vielen Dank für dein positives Feedback! Wir freuen uns, dass dir der Blogbeitrag zum Thema "Märchen" gut gefallen hat.

Liebe Grüße, 

deine Naturwichte


Gaby G.

Ich kann mich meiner Namenskollegin nur anschliessen: ein toller Artikel mit total passenden Bildern.
Was heutzutage im Marketing als Storytelling gehypt wird, haben wir seit Jahrtausenden in Form von Märchen verwendet. Es freut mich, dass es noch Experten gibt, die dieses wichtige Thema am Leben erhalten. Schön, dass die Naturwichte das aufgreifen und sogar vertonen. Danke an Paola und Johanna Sänger.

Antwort von Paola - Naturwichte

Liebe Gaby,

dir auch vielen Dank für dein Lob! Das Thema Märchen hat uns auch verzaubert und wir haben noch ein paar Ideen, die wir mit Frau Sänger umsetzen möchten.... Lass dich überraschen :-)

Liebe Grüße,

deine Naturwichte 


Ingeborg Wagner

Wunderbar,vielen Dank für die ausführliche Darstellung und für mich neue und interessante Aspekte. Ich habe meinen Kindern immer Märchen vorgelesen und nun lese ich sie den Enkeln vor. Mein dreijähriger Enkel beschäftigt sich gerade viel mit dem Bösen und da ist die Bilderwelt der Märchen gensu richtig. Vielen Dank und weiter so. Ich habe diesen Blog auch meiner Tochter empfohlen.


Silvia Petter

Angefangen hat meine Märchengeschichte, als mein Mann und ich uns getrennt haben. Meine Kinder waren damals 5 und 2 Jahre alt, also noch sehr klein. Um sie in dieser Situation besser zu begleiten und zu unterstützen, ging ein Weg über die Märchen und begann mit dem Buch: Märchen, die Kindern helfen von Gerlinde Ortner. Oft haben wir Märchen intuitiv ausgesucht, manchmal nach den Themen, die gerade anstanden. In der Zwischenzeit sind meine Kinder längst erwachsen, stehen mitten im Leben und sind sehr kreativ geworden, in der Bewältigung und Lösung von Problemen und Herausforderungen.
Meine persönliche Geschichte ging jedoch auch als Erwachsene noch weiter. Ueber Ilse Sonnenburg und ihre Märchenfrauen. ( Eine Märchengruppe die sich vierzehntaegig trifft und, die mir entscheidende Impulse mit auf Weg gab)
Wenn ich heute zurückblicke, lesen sich meine Notizen zu den einzelnen Maerchen, wie eine Biographie. Das was in der jeweiligen Situation maßgeblich anstand, haben meine ganz persönlichen Bilder aufgezeigt. Ich konnte damit arbeiten und mich weiter entwickeln, bis heute.
Und mein Lieblingsmärchen ist nach all den Jahren, immer noch: Zottelhaube. Eine starke Frau, die sich von widrigen Umständen nicht " unterkriegen " lässt, sondern sich mit Humor und Kreativität dem Leben stellt.


Ev Kindergarten

Eine wunderbar ausführliche und tiefgehende Erklärung warum Märchen so wichtig sind. Ich werde es in die Arbeit einfließen lassen und für unsere Kinder nutzen.
Herzlichen Dank


Katharina Pelzer

Das "Zaubermittel Märchen" wirkt auch bei erwachsenen Kindern. Das Märchen Zottelhaube gab mir sehr viel Kraft und Gedanken. Ich nähe mir eine Zottelhaube, die setze ich auf, wenn ich Kraft und Entschlosssenheit brauche und dann höre ich das Märchen! Ich nehme meine garstige hässliche Schwester an der Hand, sie ist schließlich meine Zwillingsschwester! Lass mir von ihr meinen neugierigen Kalbskopf abschlagen und ziehe mit ihr los in mein Reich. Ohne sie gibt es keine Hochzeit. Die Krone habe ich schon, fehlte noch die Zottelhaube! Nicht jeder Tag ist ein "Kronentag" auch nicht mit Corona. - Jedes Kind braucht eine Zottelhaube und eine Krone in der Spielekiste.....

Antwort von Paola - Naturwichte

Hallo ihr Lieben,

wir freuen uns sehr, dass das Thema "Märchen" euch so angesprochen hat!

Liebe Grüße,

eure Naturwichte


Klaus Eckers

Wir sind Grosseltern und wir habenuns gemeinsam die die Märchen angehört. Uns gefiel der Inhalt und die wunderbare Darbietung.
Wir hatten einen sehr anregenden Sonntagnachmittag.
Es war gut für Leib und Seele.


Jessica Weimerich

Mir war lange nicht bewusst, dass Märchen eine immens wichtige Rolle im Leben der Kinder und sogar der Erwachsenen spielen. Frau Sänger hat jedoch etwas in mir bewegt, was ich selbst nicht für möglich gehalten habe: Ich habe alte Märchenbücher aus längst vergessenen Kisten ausgegraben. Warum? Ich habe versucht, zurück in die Zeit zu blicken, in der mir Märchen vorgelesen wurden, und tatsächlich- ich fühlte "alte Gefühle"! (Ent)spannung, Motivation, Fantasie und die Möglichkeit, seinen Geist frei zu entfalten -all das bieten Märchen. Also sollte auch jedes Kind die Möglichkeit haben, sie zu hören. Vielleicht auch, um sie später wieder weitererzählen zu können. Und wenn man sie vergessen hat - nun - dann sollte man seine Bücher ausgraben und sie lesen. Und so fühlt man wieder, was man damals fühlte und versteht, was man fast vergaß, nämlich warum Kinder Märchen lieben.

"Ein Kind, dem nie Märchen erzählt worden sind, wird ein Stück Feld in seiner Seele haben, auf dem in späteren Jahren nichts mehr angebaut werden kann."
(Johann Gottfried Herder, Dichter, 1744 - 1803)


Eva Koman

Wir sind Eltern von Zwillingstöchtern (5 Jahre) und haben bis zum erscheinen diese Artikels zwar viel Vorgelesen, jedoch hauptsächlich sehr harmlose und beschönigte Geschichten. Grund dafür waren schlechte Erfahrungen aus unserer eigenen Kindheit mit Märchen. Während wir und mit diesem Artikel und in weiterer Folge mit dem Buch "Heilende Märchen" auseinander gesetzt haben, wurde uns bewusst, dass wir in unserer Kindheit mit den Ängsten und Sorgen die diese Märchen in uns auslösten leider allein gelassen wurden, da wir diese von Videokassetten oder Hörspielen kannten. Mit diesem Wissen versuchten wir zu Beginn unseren Töchtern kurze, einfache Märchen vorzulesen bzw. die von Johanna gelesen Märchen vorzuspielen. Dabei begleiteten wir unsere Mädchen und besprachen nach jeder Geschichte alle ihre Fragen. Schnell merkten wir, dass vor allem Stellen die uns als Erwachsene teilweise zusammenzucken ließen, für unsere Kinder sehr amüsant waren, weil ihnen die grausamen Bilder, wie wir sie vom Fernsehen kennen, einfach nicht bekannt sind. Daher zählen jetzt Märchen wie Zottelhaube, Menschenfresser, Hans und die Bohnenranke und Aschenputtel zu ihren absoluten Favoriten. Vor allem Zottelhaube, gelesen von Johanna, gibt ihnen als Zwillingsschwestern die tolle Möglichkeit ihre eigenen Konflikte in die Geschichte zu projizieren. Sie stellen daher Szenen daraus gerne mit Duplo oder Puppen nach. Wir verwenden Szenen aus diversen Märchen mittlerweile auch als Beispiele in der täglichen Erziehung (z.B. einander Helfen wie Zottelhaube der hübschen Schwester, Versprechen halten wie im Fröschkönig, etc.)
Da ich, die Mutter der beiden, aus Ungarn komme und wir unsere Töchter zweisprachig erziehen, lese ich ihnen hauptsächlich ungarische Volksmärchen vor. Daraus kennen sie nun viele unserer Bräuche, Traditionen und Werte viel besser. Auch die nationalen Unterschiede in den Denkweisen werden für die Kinder in Märchen greifbarer vermittelt.
Seit ca. 2 Monaten zählen jetzt traditionelle Märchen zu unserem fixen Tagesprogramm. In dieser Zeit haben wir gemerkt, dass die Mädchen viel selbstbewusster und emotionell gefestigter wurden. Auch uns Erwachsenen haben die Märchen bei der eigenen Konfliktbewältigung weitergeholfen und alte Wunden wurden geschlossen. Wir genießen die gemeinsame Zeit mit den Märchen und sind Euch sehr dankbar, dass ihr uns mit diesem Beitrag zum einen unsere eigenen Ängste genommen habt und zum anderen unseren Kindern diese schöne Erfahrung möglich gemacht habt.
Besondere Dank gilt Johanna für die phänomenalen Aufzeichnungen welche uns alle 4 in ihren Bann gezogen haben. Wir fieberten bei jeder Geschichte mit und waren merklich gespannt wie sie ausgeht. Mein Ehemann hört bei seinen langen geschäftlichen Autofahrten auch gerne mal die Geschichten alleine :-D
Abschließend wünschen wir allen Eltern den Mut und die Neugier diesen Geschichten eine Chance zu geben und diese wunderbare Tradition gemeinsam mit Euren Kindern weiterzuleben. Denn so wie man die Kinder in der Natur ihre Grenzen ausloten lassen soll, so soll dies aus unserer Sicht auch in ihrem Herzen möglich sein dürfen. Für uns gibt es nichts schöneres als unsere Töchter dabei zu begleiten und ihnen die nötige Sicherheit dafür zu geben.


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