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Das Wochenbett: Zeit des Kennenlernens, Zeit der Erschöpfung

Im Geburtsvorbereitungskurs lernen die werdenden Mütter bzw. Paare viel über die Schwangerschaft, die Entwicklung ihres Kindes oder natürliche Hilfe bei Schwangerschafts-Beschwerden bis hin zum natürlichen „Geburtserlebnis“. Alles sehr interessante und hilfreiche Informationen. Doch bei vielen Hebammen endet der Geburtsvorbereitungskurs mit der Geburt. Wahrscheinlich, weil die Kurshebamme die Eltern nach der Geburt des Kindes zur Nachsorge besucht und dort alles Weitere bespricht. Die Folge ist jedoch, dass viele Familien weitgehend unvorbereitet in die erste Zeit mit dem Baby stolpern und in den ersten Tagen wenig Unterstützung bekommen.

Ich möchte dir deshalb erläutern, welche Prozesse im Wochenbett ablaufen und wie du dich auf diese wichtige Zeit vorbereiten kannst.

Meine Tipps:

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Die Phasen des Wochenbetts

Ein normales Wochenbett dauert ca. sechs bis acht Wochen und ist keine Krankheit, sondern ein Prozess der Rückbildung und Anpassung. Das Wochenbett beginnt mit der Geburt des Mutterkuchens und dauert bis zum Abschluss der Rückbildungs- und Wundheilungs-vorgänge.

Es teilt sich in zwei Phasen:

Das Früh-Wochenbett bis zum zehnten Tag ist gekennzeichnet von Ruhe und der Abheilung der Geburtswunden. Außerdem kommt die Laktation (Milchbildung) in Gang.

Das Spät-Wochenbett endet nach ca. acht Wochen und dient der Anpassung und hormonellen Umstellung.

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Ruhe, bitte!

Das Wort „Wochenbett“ könnte man auch in „Wochen im Bett“ zerlegen. Das ist heute allerdings nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr geht es darum, diese Zeit intensiv zu nutzen, um dich von den Anstrengungen der Schwangerschaft und vor allem der Geburt zu erholen: Geburtsverletzungen heilen ab, die Gebärmutter bildet sich zurück und du kannst die Geburt mental verarbeiten. Außerdem kannst du während des Wochenbetts deinem Kind ein geschütztes Umfeld bieten, damit es ungestört auf der Erde ankommen kann. Jeder hat nun eine neue Rolle eingenommen und muss sich darin erstmal zurechtfinden. Es ist eine Zeit des Kennenlernens und aufeinander Einstimmens, eine Zeit, um einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Einflüsse von außen (Besuche, Termine) sind jetzt störend und haben einen negativen Einfluss auf diese ruhige Zeit. Auch kann durch zu viele Reize ein unkomplizierter Start in die Stillzeit und somit auch die Milchbildung deutlich erschwert werden.

So kannst du dich auf dein Wochenbett vorbereiten:

  • Du kannst bereits während der Schwangerschaft für das Wochenbett vorkochen und die Gerichte einfrieren; das entlastet die erste Zeit mit deinem Kind.
  • Ihr bestimmt den Zeitpunkt, an dem ihr bereit seid, Besuch zu empfangen.
  • Verabredet mit eurem Besuch, dass er Kuchen oder Essen selbst mitbringt; ihr müsst dann lediglich die Getränke bereitstellen.
  • Alle Anträge bezüglich Elternzeit oder Elterngeld können schon im Vorfeld ausgefüllt werden, sodass ihr nach der Geburt nur noch die Daten des Kindes eintragen müsst.

Hilfe durch eine Hebamme

Bis zum 10. Tag nach der Geburt hast du Anspruch darauf, dass dich eine Hebamme mindestens einmal täglich besucht. Kümmere dich am besten schon frühzeitig darum. Die Hebammenhilfe ist eine Krankenkassenleistung, auf dich kommen keine Kosten zu. Die Hebamme kontrolliert den Verlauf des Wochenbettes und die Rückbildungsvorgänge. Auch das Stillen unterstützt sie. Außerdem wird sie euch bei der Säuglingspflege helfen, etwa bei der Nabelpflege oder beim Baden. Bis euer Kind zwölf Wochen alt ist, könnt ihr darüber hinaus 16 Mal eure Hebamme um Rat und Hilfe bitten.

Eine Checkliste, die dir hilft, dich gut auf die erste Zeit mit dem Baby vorzubereiten, findest du hier in unserem Ratgeber Schwangerschaft und Stillzeit.

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Beschwerden im Wochenbett und was du dagegen tun kannst

Im Laufe der ersten Tage verändert sich die Menge und die Farbe deines Wochenflusses (Lochien). Die Blutung kommt von der Haftstelle des Mutterkuchens in der Gebärmutter.
Tag 1 – 2: relativ starke, frische Blutung (auch mit kleinen Klumpen)
Tag 3 – 4: weniger und dünneres Blut
bis Tag 7: leicht verwässerte Blutung
nach der 1. Woche: rot-bräunliche, rosa-wässrige Blutung
ca. nach der 2. Woche: wenig gelblicher Ausfluss
Ende der 3. Woche: weißlich-rahmiger Ausfluss; jetzt werden die letzten abgeschilferten Hautzellen ausgestoßen.

Vorsicht: Wenn du nach der Phase der frischen Blutung nochmals frisch rot blutest und die Blutungsmenge wieder zunimmt, dann ist das ein deutliches Zeichen, dass du dich körperlich übernommen hast. Dein Körper fordert dich auf, wieder zur Ruhe zu kommen. Auch psychischer Stress kann dieses Phänomen verursachen. Bitte nimm es ernst!

Wenn der Wochenfluss plötzlich versiegt (ohne dass du die oben beschriebenen Stadien durchlaufen hast) und du eventuell unter Stirnkopfschmerzen leidest, sind das klare Anzeichen für einen Lochialstau. Jetzt hilft eine Bauchmassage mit einem entsprechend wirksamen Öl und anschließender Bauchlage auf einem Kissenberg.

Eine leichte Harninkontinenz ist in den ersten Tagen nach einer Spontangeburt ganz normal und sollte sich schon bald wieder regulieren. Mit Beckenbodentraining kannst du diesen Prozess unterstützen.

Am dritten oder vierten Wochenbett-Tag solltest du spätestens den ersten Stuhlgang haben.

Durch die Nachwehen bildet sich die Gebärmutter innerhalb von zehn Tagen zurück – von 1 kg auf 70 g. Je mehr Kinder du bereits geboren hast, desto schmerzhafter wirst du die rückbildungsfördernden Nachwehen spüren. Mit wärmenden, entkrampfenden Salbenauflagen kannst du dir Linderung verschaffen.

Der sogenannte Baby Blues hat seinen Höhepunkt vom dritten bis fünften Wochenbett-Tag, denn jetzt stellen sich deine Hormone wieder um. Die Folge: Du findest einfach alles zum Heulen. In der Regel verschwindet dieser seltsame Zustand aber relativ schnell von ganz allein wieder. Wenn nicht, suche bitte das Gespräch mit deiner Hebamme, denn es könnte sich eine Wochenbettdepression anbahnen.

Lass dir bereits in den ersten Tagen zu Hause von deiner Hebamme Wahrnehmungsübungen für deinen strapazierten Beckenboden zeigen. Mit diesen sanften, aber sehr effektiven Übungen unterstützt du deinen Beckenboden, bis du in der sechsten bis achten Woche nach der Geburt einen Rückbildungskurs besuchen kannst. Das Training hilft auch gegen Hämorrhoiden, die vielleicht durch das Pressen entstanden sind. Zusätzliche Linderung bringen kühlende Auflagen mit zusammenziehenden Wirksubstanzen.

Wenn dein Baby per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist, laufen alle hier beschriebenen Rückbildungsvorgänge langsamer ab. Deine Gebärmutter wurde mit einem Schnitt eröffnet, sodass du jetzt zwei Wundstellen am Uterus hast: den Schnitt und die blutende Haftstelle des Mutterkuchens in der Gebärmutter. Deine Blutung wird deshalb etwas länger andauern und die Rückbildung der Gebärmutter wird sich durch die Verletzung verzögern. Mit dem Rückbildungskurs solltest du – falls dein Wochenbett unkompliziert verlaufen ist – frühestens ab der zehnten Woche, besser noch ab der zwölften Woche beginnen.

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Zum Schluss möchte ich noch einmal auf die bereits erwähnten Reize eingehen. Eine Reizüberflutung beim Kind (durch Besuch, laute Musik, den Fernseher oder Shoppingtouren mit Kind) solltest Du vermeiden. Das kleine Gehirn kann anfangs nur wenige Reize verarbeiten, alles andere wird zur Belastung. Die Folge sind abendliche Schreiattacken, die wiederum zu Blähungen und Einschlafstörungen führen können – eine echte Belastung auch für dich und dein Wochenbett. Nimm dir Zeit und Ruhe, um eine feste Bindung zu deinem Kind aufzubauen.

Familien, die zeitig die Klinik verlassen haben und daheim das gut vorbereitete Wochenbett mit Unterstützung ihrer Hebamme durchleben, sind oft deutlich entspannter – diese Erfahrung habe ich im Laufe meiner Tätigkeit als Hebamme immer wieder gemacht. Und diese positiven Effekte werden direkt auf das Neugeborene übertragen. Das Kind ist dann ruhiger, ausgeglichener und entspannter, und auch das Stillen läuft von Anfang an oft unkomplizierter. Die strengen Corona-Regeln, die in den letzten Monaten in den Kliniken herrschten, haben diese These noch bestätigt: Dadurch, dass auf der Wochenbettstation kein Besuch erlaubt war, konnte die Stillzeit für viele Mütter ruhig und unkompliziert beginnen.

Ein gut vorbereitetes Wochenbett entlastet dich, dein Kind und deine Familie. Genieße diese besondere Zeit ruhig in vollen Zügen, denn sie wird nie wieder kommen. Dein Partner kann dir den Rücken freihalten und mit dir gemeinsam genießen.

 

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Ich wünsche euch ein ruhiges, entspanntes Wochenbett!

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