Wie würden Sie einem Kind Ihre Arbeit erklären?
Martin Rozumek (lacht): Chemiker „kochen“ – ich „koche“ mit Steinen[1], damit WALA daraus Arzneimittel herstellen kann. Doch Spaß beiseite. Vielleicht kann man es so ausdrücken: Wir veredeln Mineralien, damit aus ihnen – nach weiteren Zwischenschritten – Arzneimittel hergestellt werden können. Im Labor arbeiten wir dabei so, dass wir Prozesse mit den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer „komponieren“, um unsere „Zutaten“ zu verwandeln. Dazu müssen wir lernen, die Natur immer besser zu verstehen.
Können Sie das anhand eines Praxisbeispiels verdeutlichen?
Martin Rozumek: Unsere Heilpflanzenansätze stehen tagsüber ruhig, warm und dunkel. Jeweils zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang kühlen, bewegen und belichten wir sie. Letzteres bedeutet, dass wir sie dem erstarkenden Licht des Morgens und dem verinnerlichenden Licht des Abends aussetzen. Diese Art der rhythmischen Behandlung hat die WALA über neun Jahrzehnte hinweg stets weiterentwickelt – seit ihrer Erfindung durch Rudolf Hauschka. Grundlagenforscher wie uns interessiert daran zum Beispiel, warum es gerade um diese Tageszeiten geht. Wir möchten noch besser verstehen und wissenschaftlich untersuchen, welche Bedeutung diese Rhythmisierung und die besonderen Zeiten und Qualitäten für unsere Pflanzenansätze haben.
Sie müssen also gleichermaßen neugierig und beharrlich sein?
Martin Rozumek: So könnte man es ausdrücken.
Woher kommen die mineralischen Ausgangssubstanzen, mit denen Sie arbeiten?
Martin Rozumek: Leider gab und gibt es keinen Laden oder Online-Shop, in dem wir verlässlich Mineralien in der benötigten Qualität einkaufen könnten. Also haben wir unsere eigenen Strukturen und Netzwerke geschaffen. Messen und Mineralienbörsen sind heute unsere wichtigsten Bezugsquellen, etwa in München und in Sainte-Marie-aux-Mines im Elsass.