WALA Arzneimittel
Vater und Tochter sitzen auf Bank am Fesnter und unterhalten sich
Wachstum + Entwicklung

Wertschätzende Kommunikation – Wie du Konflikte im Familienalltag friedlich löst

„Ich will den Müll aber nicht rausbringen“, „Der hat mir mein Spielzeug weggenommen“, „Ich brauche kein Abendessen“ – kommt dir das bekannt vor? Im Familienalltag ergeben sich immer wieder Konflikte. Das ist normal und gehört zu einem gesunden Zusammensein dazu. Gabriela Reinwald, zertifizierte Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, gibt euch Tipps, wie ihr herausfordernden Situationen umgeht.

Zum Interview

Lass andere teilhaben

Sie sind selbst Mutter von drei Söhnen – wie haben Sie die Herausforderungen der Erziehung gemeistert?

Ich habe mich in harmonischen Zeiten auf gewisse Abläufe mit meinen Kindern geeinigt und die Absprachen dann konsequent eingefordert. Mir fällt sofort ein Beispiel ein: Mit einem meiner Söhne hatten wir die Absprache, dass er freitags den Müll rausbringt. Am ersten Freitag, der anstand, kamen dann seine Freunde vorbei. Natürlich wollte er lieber direkt mit ihnen spielen und verhandeln, dass er den Müll später rausbringt. Wir alle kennen die Situation und wissen, dass das dann gar nicht mehr geschieht *lacht*.

Kinder klettern in ein Baumhaus

Das stimmt allerdings, und das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für uns Erwachsene. Wie haben Sie dann reagiert?

Bei der gewaltfreien Kommunikation geht es darum, Gefühle des anderen erstmal zu verstehen und zu spiegeln. Meine Reaktion war deshalb erstmal „Ich verstehe, du möchtest jetzt spielen. Und mir ist Verlässlichkeit bei Absprachen wichtig. Wir können entweder gemeinsam verhandeln oder ich sage einfach NEIN. So hat er seinen Freunden gesagt, dass er später nachkommt und den Müll sofort herausgebracht. Natürlich fanden meine Söhne das damals blöd. Aber die Konsequenz hilft, viele Konflikte zu lösen.

Für viele ist es sicherlich nicht einfach, so konsequent zu bleiben. Ein großes Konfliktthema besteht beim Thema Fernsehen, Smartphone & Co. – wie sind Sie damals damit umgegangen?

Ja, das konsequent bleiben ist nicht einfach. Bei meinen Söhnen war es damals so, dass sich die Freunde über bestimmte Fernsehserien ausgetauscht haben, bei uns war der Fernseher tabu. Dann waren sie oft sauer – auch hier habe ich die Reaktionen verstehend gespiegelt „Ich verstehe, du würdest jetzt auch gerne Fernsehen und bist wütend, weil deine Freunde alle fernsehen und du dazugehören möchtest -“ – so nimmt man den ersten Frust erstmal den Wind aus den Segeln. Und sich als Eltern immer wieder klarzumachen: „Wir haben den Weitblick und wissen, was unserem Kind guttut“. 15 Jahre später waren sie uns erst wirklich dankbar.

Was sind ihrer Meinung nach „No-Gos“?

Was gar nicht geht, sind Drohungen: „Wenn du das und das nicht machst, dann passiert das und das!“ Oder, um ein weiteres  Beispiel heranzuziehen: Ich habe letztens eine Kindergruppe bei einem Spaziergang beobachtet. Ein Mädchen ist aus der Gruppe Richtung Waldrand gelaufen, weil es dort eine besonders schöne Blume entdeckt hatte. Die Erzieherin begann direkt zu schimpfen: „Du kommst jetzt sofort zurück, es ist immer das Gleiche mit dir – immer musst du aus der Reihe tanzen!“ Ich habe gesehen, dass das Mädchen ganz betrübt war. Eigentlich wolle sie nur ihrer kindlichen Neugier nachgehen – was ihrem Alter entspricht. Mit der Aussage „Das ist immer das Gleiche mit dir“ oder ähnlichen Formulierungen wird zudem die Scham der Kinder verstärkt. („Du bist nicht ok“ -anstatt: „Dein Verhalten gefällt mir nicht. Ich sorge mich um deine Sicherheit“) Ein weiteres No-Go ist das gegenteilige Verhalten: Eine Erziehung, die auf Belohnung basiert. Also nach dem Motto „Wenn du das und das machst, erhältst du das und das“. Kinder werden zu Gehorsam trainiert und erwarten dann immer wieder eine Belohnung beziehungsweise Bestätigung von außen, sie verlieren den Bezug zu ihren inneren Gefühlen und Bedürfnissen.

Bisher ging es um die Beziehung zwischen Eltern und ihrem Kind. Wie sieht es denn bei den Eltern aus: Wie finden sie gemeinsam einen guten Weg, gerade beim ersten Kind, für ein harmonisches Miteinander – ohne Vorwurfsspirale?

Das fängt schon bei der Kinderplanung an. Schon in dieser Phase empfehle ich, konkrete Abstimmungen zu treffen. Zum Beispiel für eine gemeinsame Zeit als Paar, sei es nur für eine halbe Stunde in der Woche, bei der Verwandte oder der Freundeskreis aushilft. Darüber hinaus ist es wichtig, sich über die Betreuung im Klaren zu sein: Oft gehen die Männer immer noch als Besserverdiener weiterhin arbeiten, während die Frauen zu Hause bleiben oder in Teilzeit einsteigen. Ganz gleich, wie die Gewichtung bei den Paaren ist: Gerade im Alltag helfen verbindliche Absprachen und Aufgabenverteilungen: Wer übernimmt das Wickeln? Wer übernimmt die Besuche bei der Ärztin/beim Arzt? Wer erledigt die Einkäufe? Leider fehlt in unserer Gesellschaft immer noch die Anerkennung für die Erziehungsarbeit. Gleichzeitig wird es als „Standard“ angesehen, dass Mütter zuhause Verantwortung übernehmen und oft gleichzeitig arbeiten gehen.

Paar umarmt sich sitzend auf dem Sofa
Vater und Tochter auf dem Weg zum Einkaufen
Vater massiert Baby auf Wickeltisch

Kommunikation findet nicht nur im Gesprochenen statt, sondern auch über die Art, wie wir uns verhalten. Wieso ist das gerade für Säuglinge und Kleinkinder wichtig?

Genau, eine vertrauensvolle Kommunikation entsteht durch Blickkontakt und Berührung. Das ist gerade für Säuglinge sehr wichtig, Sicherheit und Vertrauen aufzubauen. Dazu gibt es viele Studien, die das belegen, zum Beispiel das „Still Face Experiment“. Hier kann man sehr gut beobachten, wie Babys reagieren, wenn sie keine Aufmerksamkeit bekommen, und wie bei Zuwendung. Im Säuglingsalter bauen die Kinder eine Verbindung zur Geste und zum Gesprochenen der Eltern auf. Auch hier kann schon Empathie geübt werden: „Du bist hungrig, das ärgert dich gerade …“.

Haben sie noch praktische Tipps und Empfehlungen für ein harmonisches Miteinander im Familienalltag?

Besonders hilfreich sind Rituale, nicht nur für Familien, sondern auch für Paare. Wenn verabredet wird, dass es einmal die Woche einen Zeitraum gibt, in dem das Kind oder der Partner 20 Minuten ohne Unterbrechung reden kann, ist das auch schon eine Form der Wertschätzung. Auch gemeinsame Essenszeiten, ohne Ablenkungen von außen, stärken den Zusammenhalt. Und wenn ein Konflikt entsteht, versuchen, das direkt anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.  Konflikte sind sinnvoll, denn sie zeigen, wo Klarheit fehlt.

Familie beim Frühstück

Gewaltfreie Kommunikation - Was ist das?

Gewaltfreie Kommunikation (GfK), entwickelt von Marshall Rosenberg, ist ein Kommunikationsmodell, das hilft, Konflikte konstruktiv zu lösen und Beziehungen zu stärken. Es basiert auf Empathie und Respekt und verfolgt das Ziel, Bedürfnisse klar auszudrücken, ohne Schuldzuweisungen oder Aggression. Dazu gehören vier Schritte:

Beobachtung statt Bewertung

  • Beschreibe, was du wahrnimmst, ohne es zu interpretieren oder zu bewerten.
  • Beispiel: „Wenn ich sehe, dass du während des Meetings sprichst, …“

Gefühle ausdrücken

  • Teile ehrlich mit, wie du dich fühlst, ohne andere verantwortlich zu machen.
  • Beispiel: „… fühle ich mich unsicher, …“

Bedürfnisse benennen

  • Erkläre, welches Bedürfnis hinter deinem Gefühl steht.
  • Beispiel: „… weil mir Ruhe wichtig ist, um mich zu konzentrieren.“

Bitte formulieren

  • Bitte konkret und positiv, was du möchtest (nicht, was du nicht willst).
  • Beispiel: „Könntest mit deinem Reden warten, bis ich fertig bin?“
Porträt von Gabriela Reinwald

Über Grabriela Reinwald

Gabriela Reinwald ist zertifizierte Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (GfK), empathische Mediation und Coaching. Sie studierte GfK mehrere Jahre bei Dr. Marshall Rosenberg und ist seit 2007 durch das CNVC – Center for Non-Violent Communication, USA, zertifiziert. Sie war 20 Jahre lang an staatlichen und Waldorfschulen tätig.

Lass andere teilhaben

0

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Winter - der stille Begleiter

Welch eine Freude ist es, morgens aus dem Fenster zu schauen und den Garten tief verschneit vorzufinden. Oder bei einem langen Winterspaziergang den Spuren der Tiere im Schnee zu folgen. Und danach lockt eine heiße Schokolade wieder ins warme Zuhause.

Der Winter schenkt uns stille Landschaften, lange Abende und Kerzenschein. Und je stärker die Farben in der Natur weichen, je mehr sich das Leben in sich selbst zurückzieht, desto gemütlicher wird es in der Stube. Jetzt ist die Zeit zum Malen, Basteln und Dekorieren, zum Kochen, Backen und Geschichten erzählen.

Sicher wunderst auch du dich manchmal, welche Geduld und Geschicklichkeit deine Kinder jetzt aufbringen, mit wie viel Fantasie sie sich neue Spiele ausdenken und wie aufmerksam sie den Geschichten zuhören. Auch dies schenkt der Winter uns.

Hier findest du Ideen und Inspirationen, wie du und dein Kind den Winter mit allen Sinnen erleben können: durch Spiele und Erzählungen, durch Selbstgebackenes und Selbstgebasteltes aus Naturmaterialien und durch Experimente mit Schnee und Eis. Wir wünschen dir viel Freude beim Ausprobieren und natürlich viel Gesundheit.

Neue Beiträge per E-Mail erhalten

Zurück nach Oben

Kennst du schon unseren Ratgeber Mama & Kind?

Er begleitet dich durch alle Entwicklungsphasen deines Kindes. Er gibt dir praktische Tipps, erklärt Hintergründe und empfiehlt Arzneimittel - von der Schwangerschaft und Stillzeit über die Baby- und Kleinkindjahre bis zur Schulzeit und Pubertät. Ganz gezielt über den Lösungsfinder oder beim Stöbern in unseren Themenfeldern.