Geschwisterkinder: Nie mehr einsam!
Wenn ein Brüderchen oder Schwesterchen ins Leben tritt, geht das oft nicht ohne Neid oder Eifersucht vonstatten. Mögen Mama und Papa den Neuankömmling lieber als mich? Will er oder sie mir etwas wegnehmen? Doch eine gute Geschwisterbeziehung ist ein Geschenk für das ganze Leben. Ideen und Inspirationen, wie ihr diese wichtige Beziehung fördern könnt, erhaltet ihr in diesem Interview.
Zum Interview
Liebe Clarissa, die Beziehung zwischen Geschwistern ist ja etwas ganz Besonderes. Wie nimmst du das in deiner täglichen Praxis wahr?
Es gibt tatsächlich eine enge emotionale Verbindung zwischen Geschwisterkindern, schon von Beginn der Schwangerschaft an – und oftmals sogar noch bevor die Eltern von der Schwangerschaft wissen. Ich habe einmal erlebt, dass ein Dreijähriger mitten im Frühsommer zu seiner Mutter gesagt hat: „Mama, bald bekommst du ein Christkind!“. Und tatsächlich – zu Weihnachten wurde sein Geschwisterchen geboren. Das ist oft phänomenal!
Wie kannst du als Hebamme das ältere Kind auf die Ankunft des Geschwisterchens vorbereiten?
Ich kann es zum Beispiel aktiv an der Schwangerschaftskontrolle teilhaben lassen und es so in die Vorsorge mit einbeziehen. Dann kann es die Herztöne seines Geschwisters hören oder darf sie sogar selbst mit einem Holzhöhrrohr (Pinard) suchen.
Wichtig ist auch, dass ich und die Eltern darauf achten, wie wir von dem Baby sprechen: Wenn wir von „deinem Geschwisterchen“ oder „unserem Baby“ sprechen oder ihm gemeinsam einen Phantasienamen geben, fühlt sich das ältere Geschwisterkind nicht ausgeschlossen.
Schön zur Vorbereitung ist auch die Betrachtung der Babyfotos des älteren Kindes. Das stellt einen direkten Bezug zum Thema her und die meisten Kinder lieben es.
Und auch Krabbel- oder Spielgruppen sowie der Kontakt zu anderen Familien mit Kindern. Meist sind da auch Kinder dabei, die eine jüngere Schwester oder einen jüngeren Bruder haben. Dadurch können sich die Kinder ein wenig besser vorstellen, was es bedeutet, ein Geschwisterchen zu bekommen. Es gibt sogar Geschwisterschulen, die die älteren Kinder auf das neue Familienmitglied vorbereiten.
Und wie kannst du nach der Geburt dazu beitragen, dass die Beziehung zwischen den Geschwistern gut wird?
Das kann ich ganz praktisch machen, indem ich zum Beispiel Bilderbücher empfehle, die davon handeln, wie ein kleines Geschwisterchen geboren wird, Bücher wie „Kleiner Hase wird großer Bruder“. Solche Bücher machen dem größeren Kind die neue Situation visuell verstehbar. Oft geht es dabei um Gefühle wie Eifersucht, die ja viele der Kinder erstmal empfinden.
Hast du einige Tipps, wie Mütter und Väter die Beziehung von Anfang an fördern können?
Nach der Geburt ist „Bonding“ das Zauberwort, auch zwischen den Geschwistern. Das gelingt, indem die Eltern den oder die Erstgeborene(n) in möglichst viele Tätigkeiten einbeziehen, die sie mit dem Neugeborenen machen. „Hilfst du mir beim Wickeln?“ ist zum Beispiel eine Frage, der die meisten Geschwister nicht widerstehen können. Falls das kleinere Geschwisterkind Kleidung von seinem großen Bruder oder seiner großen Schwester erbt, sollte das bewusst so gestaltet werden, dass das ältere Kind stolz darauf sein kann. Überhaupt sollte man dem älteren Kind diese Zeit so leicht wie möglich machen und alle Anforderungen, die eigentlich anstehen würden – etwa das Abgewöhnen vom Schnuller oder von der Windel – erstmal zurückstellen. Schön ist es, sich gemeinsam mit diesem Kind alte Babyfotos anzuschauen. Auch so entsteht eine Verbindung zwischen den Geschwistern.
Was können Eltern tun, um die Geschwisterkinder möglichst gleich zu behandeln?
Das ist gar nicht möglich! Eltern haben oft ein schlechtes Gewissen, da sie jetzt nicht mehr soviel Zeit mit dem größeren Kind verbringen können. Ich sage den Eltern dann, dass die Quantität relativ ist, und mehr die Qualität der ungeteilten gemeinsamen Zeit wichtig ist. Auch Besucher, Verwandte und Freunde können dem größeren Geschwister jetzt mehr Zeit widmen.
Liebe Clarissa, wir danken dir für dieses Gespräch!
Clarissa Merzenich, Hebamme
Meine Schwerpunkte
- Traditionelle Hebammenarbeit in Vor- und Nachsorge
- Familienhebamme
- Anthroposophisch zertifizierte Hebamme
- Master of Science in Healthcare Management, Bereich Hebammenkunde
Das zeichnet mich und meine Arbeit aus
Die Liebe zum Menschen und das Staunen über die Einzigartigkeit eines (neuen) Kindes erfüllen mich jeden Tag! Die Metamorphose, die eine Frau durch die Schwangerschaft, Geburt und in der ersten Zeit mit ihrem Kind erlebt, ist bewegend. Als Hebamme begleite ich seit 20 Jahren alle drei Phasen, wobei mir das anthroposophische Menschenbild hilft, diese Wandlung besser zu verstehen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die individuellen Bedürfnisse der Frauen und natürlich die des kleinen Kindes! Diese Arbeit kann ich mit einem ganzheitlichen Blick und meinem Masterstudium in Hebammenkunde noch präziser leisten.
Als frische Großmutter durchlebe ich aus einer neuen Perspektive die Liebe als Band in der Familie.
Frühling – der ungestüme Freund
Picknick im Grünen, Osterbasteleien im Kindergarten. Wie gut es tut, nach der Dunkelheit und Kälte mal wieder länger mit der Familie nach draußen zu gehen, in den Park oder in den Wald. Jeder Spaziergang wird zur Entdeckungsreise, denn die Natur wandelt sich täglich. Und sie bringt uns einiges mit, zum Beispiel frische Köstlichkeiten für die Küche und eine Fülle von Inspiration und Material zum Basteln.
Anregungen wie ihr den Frühling erleben könnt, findest du hier im Naturwichte Blog. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Jahreszeitentisch oder einem Osternest im Grünen? Lass dich überraschen.
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