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Pflege zu Hause: den Körper waschen, die Seele reinigen
Waschen kann ein Wohlbefinden vermitteln, das weit über das Reinigen der Haut hinausgeht, das den Körper und die Seele gleichermaßen befreit. Dafür brauchst du nur drei Zutaten: das Element Wasser, eine Waschsubstanz und deine Hände, die dem anderen achtsam begegnen. Mit Hilfe deiner Berührungen kann die Person, die du pflegst, ihren Körper spüren und mit dem Bewusstsein bis in die Finger- oder Zehenspitzen reisen. Das tut unglaublich gut.
„Wo Bewusstsein ist, ist Licht und Wärme.“
Gerda Zölle
Berührung schafft Begegnung
Beim Waschen berührst du den Menschen, den du pflegst, ganz unmittelbar über die Haut wie auch im übertragenen Sinne. Für dein Gegenüber wird die Berührung zur Begegnung mit dir und mit sich selbst. Damit diese Begegnung gelingt, solltest du dich rückversichern, ob zum Beispiel die Wassertemperatur oder der Duft der Waschsubstanz als angenehm empfunden werden. Wenn ein Gespräch nicht möglich ist, kannst du aus den körperlichen Reaktionen Rückschlüsse ziehen und deine Anwendung entsprechend anpassen.
Wie wird aus dem Waschen eine Waschung?
Zunächst macht deine eigene Haltung einen Unterschied: Möchtest du die/den Pflegebedürftige(n) vor allem säubern oder kannst du dich auf mehr einlassen? Es geht dabei nicht so sehr um mehr Zeit – die Waschung übernimmt ja das Reinigen gleich mit –, sondern um mehr Achtsamkeit. Gerda Zölle stellt sich vor jeder Anwendung die Fragen „Wer bist du? Was brauchst du?“. Braucht der Mensch, den du pflegst, eine kleine Aufmunterung oder eher Schutz und Abgrenzung vor äußeren Reizen? Wenn du das Thema der Waschung gefunden hast, kannst du eine passende Substanz auswählen und dich für Form und Richtung deiner Waschbewegungen entscheiden.
Form und Richtung der Waschbewegungen
Wie du die Waschung ausführst, hat einen Einfluss auf die Wirkung. Deshalb solltest du dich vorab für eine von zwei Formen – kreis- oder strichförmig – und für eine von zwei Richtungen – zum Herzen hin oder vom Herzen weg – entscheiden. Bitte bleibe während einer Waschung bei der gewählten Form und Richtung. Bei der nächsten Waschung bist du dann wieder ganz frei und kannst eine andere Variation ausprobieren.
Kreisförmige Bewegungen geben Raum, Hülle und Wärme
- sinnvoll z. B. bei Schmerzen oder Erschöpfung
Strichförmige Bewegungen geben Orientierung und Abgrenzung
- sinnvoll z. B. bei Atemnot oder Demenz
Außerdem gilt:
- Wenn du Richtung Herz wäschst, regst du an (gut bei niedrigem Blutdruck)
- Wenn deine Bewegungen vom Herzen wegführen, sind sie beruhigend (gut bei Schlafstörungen)
Welche Substanzen eignen sich?
Die Liste hilfreicher Substanzen ist lang, vier stellen wir dir stellvertretend vor. Meist sind es Heilpflanzen in Form eines ätherischen Öls. Da reine ätherische Öle nicht direkt auf die Haut aufgetragen werden sollten, empfehlen wir dir eine Mischung aus 10 % ätherischem Öl und 90 % eines pflanzlichen Trägeröls. Die fertige Mischung bekommst du in der Apotheke. Du kannst ein derartiges Öl zum Einreiben verwenden und daraus eine Waschemulsion herstellen. In beiden Fällen pflegst du die Haut gleich mit.
Rosmarin: regt an, wärmt, fördert die Durchblutung
Bewährt bei kalten Armen und Beinen, bei Müdigkeit und Durchblutungsstörungen
- Ideal am Morgen
Lavendel: entspannt, beruhigt, vertieft die Atmung
Bewährt bei Überreiztheit, Unruhe und Schlafstörungen
- Ideal am Abend
Zitrone: erfrischt, zentriert, muntert auf
Bewährt bei Fieber, Schwitzen, Stauungen und seelischer Erschöpfung
- Ideal, um Körper und Geist abzukühlen
Hochmoortorf/Solum: umhüllt, grenzt ab, regt den Wärmeorganismus an
Bewährt bei Nerven- und Bewegungsschmerzen, rheumatischen Beschwerden und in Krisensituationen
- Ideal als wärmende Schutzhülle
Tipp 1: Eine Waschemulsion herstellen
Gebe das Öl bitte nicht direkt ins Wasser, sondern mische 1 EL Öl mit 2 EL Milch, schütteln die Mischung gut und verteile diese Emulsion im Waschwasser. Ganz einfach geht das Mischen (Emulgieren) in einem Schraubglas.
„Wasser macht Schweres leicht. Wasser spült Müdigkeit und Schmerzen weg oder wärmt und nimmt Sorgen. Der gewaschene Mensch fühlt sich in seiner Haut wieder wohl.“
Gerda Zölle
Gerda Zölles therapeutische WaschungEigentlich hat Gerda Zölle ihre therapeutische Waschung für Pflegeprofis entwickelt. Hier beschreibt sie kurz die wesentlichen Schritte und lädt dich ein, sich davon inspirieren zu lassen.
Vorbereitung
Eine Schüssel mit warmem Wasser füllen, die Emulsion im Wasser verteilen, einen Waschlappen eintauchen, auswringen, sich dem gut zugedeckten Menschen zuwenden und immer nur den Körperteil freilegen, der gewaschen wird (anschließend wieder zudecken).
Du brauchst ein großes Handtuch zum Zudecken und ein kleines Handtuch zum Abtrocknen.
Die Waschung Schritt für Schritt
- Die Waschung beginnt am Kopf: Wasche erst die eine, dann die andere Gesichtshälfte. Beziehe dabei bitte die Ohren und den Nacken mit ein.
- Nun tauche deine zugewandte Hand in die Schüssel und mache ein Handbad, bevor du von hier aus den Unterarm, den Oberarm und die Seite des Oberkörpers wäschst, an der du stehst. Dann wechsle die Seite und wiederhole: Handbad, Unterarm, Oberarm, zweite Hälfte des Oberkörpers.
- Wechsel in eine Sitzposition oder in die Seitenlage, um den Rücken zu waschen.
- Zuletzt stelle einen Fuß in die Waschschüssel, mache ein Fußbad (das geht mit angewinkeltem Bein auch im Liegen) und wasche dann den Unter- und Oberschenkel. Nach einem Seitenwechsel wiederholst du: Fußbad, Unterschenkel, Oberschenkel. Fertig.
Tipp: Den Intimbereich wasche ich als Letztes oder auch bereits vorab, wenn zum Beispiel ein Wechsel der Inkontinenz-Einlage ansteht.
Tipp 2: Was die Waschung verrät
Während des Waschens hast du Gelegenheit, den pflegebedürftigen Menschen genauer zu beobachten: Nehme trockene oder offene Hautpartien wahr, fühlst du Verspannungen, scheinen manche Bewegungen nur unter Schmerzen möglich zu sein? Hat sich der Zustand seit der letzten Waschung verschlechtert – oder verbessert? Vielleicht machst du dir nach der Anwendung Notizen und vielleicht kannst du manche Beschwerden sogleich lindern: zum Beispiel, indem du die Haut pflegen oder verspannte Körperpartien mit Aconit Schmerzöl* einreibst.
Ein Extratipp bei wundgelegenen Hautpartien: Rosatum Heilsalbe
Die Rosatum Heilsalbe mit kolloidaler Kieselsäure sowie Rosen- und Geranienöl unterstützt das Abheilen oberflächlicher Wunden und bewährt sich deshalb bei der Behandlung von wundgelegenen Hautpartien.
Tipp 3: Ein gutes Buch im kostenlosen Download
Birgitt Bahlmann hat im Salumed Verlag ein sehr gutes Buch für pflegende Angehörige herausgegeben: Pflege daheim. Es ist in der gedruckten Ausgabe vergriffen, kann aber kostenlos heruntergeladen werden: www.salumed-verlag.de/kostenlose-downloads/pflege-daheim.html
Die ganze Serie lesen
Gerade hast du Teil 5 unserer Serie zur häuslichen Pflege gelesen. Du findest alle Artikel in unserem Magazin.
Gerda Zölle, ehemalige Leiterin der Fachberatung Pflegeberufe und Referentin für die WALA.
*Pflichtangaben
Aconit Schmerzöl, Ölige Einreibung. Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: Anregung des Wärmeorganismus und Integration von Stoffwechselprozessen bei schmerzhaften entzündlichen Erkrankungen, die vom Nerven-Sinnes-System ausgehen, z.B. Nervenschmerzen (Neuralgien), Nervenentzündungen (Neuritiden), Gürtelrose (Herpes zoster), rheumatische Gelenkerkrankungen. Warnhinweise: Enthält Erdnussöl. Stand: Mai 2022. WALA Heilmittel GmbH, 73085 Bad Boll/Eckwälden, DEUTSCHLAND. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Rosatum Heilsalbe. Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: Abgrenzungsstörungen gegenüber äußeren Einwirkungen und inneren Prozessverschiebungen der Haut, z.B. Hautentzündung (Dermatitis), Neurodermitis, Ekzem, Juckreiz, oberflächliche Hautdefekte, Neigung zu Pilzkrankheiten. Warnhinweise: Enthält Wollwachs. Stand: Februar 2019. WALA Heilmittel GmbH, 73085 Bad Boll/Eckwälden, DEUTSCHLAND. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.