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Was die Experten sagen

Eine Paartherapeutin zum Start ins Familienleben

Eine Paartherapeutin zum Start ins Familienleben

Wenn Paare zu Eltern werden, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Doch wie können sie sich auf die neue Situation vorbereiten? Christa van Leeuwen, Hebamme sowie systemische Paar- und Familientherapeutin, über Probleme, die den Start ins Familienleben begleiten können.

WALA: Frau van Leeuwen: Die meisten Paare sind von der Geburt ihres ersten Kindes geradezu überwältigt. Sollten sie sich auch auf Probleme einstellen?

Christa van Leeuwen: Alles dreht sich um das Neugeborene und seine Bedürfnisse. Doch dem Zauber der ersten Tage und Wochen folgt zwangsläufig der Übergang in den neuen Alltag – und das ist manchmal gar nicht so einfach. Ich arbeite nun schon seit über 40 Jahren als Hebamme. Oft habe ich erlebt, wie sich die eben noch freudestrahlenden Eltern so entfremdet hatten, dass eine Trennung folgte. Vieles wird in den Monaten der Schwangerschaft vorbereitet: Welches Auto passt zu uns, welchen Kinderwagen wollen wir kaufen?

Über die inneren Veränderungen machen sich die werdenden Eltern wahrscheinlich meist weniger Gedanken ...

Jeder Mensch ist geprägt durch seine Herkunftsfamilie. Wie wir selbst unsere Eltern und unsere Kindheit erlebt haben, bestimmt unsere Vorstellungen von der eigenen Familiengründung. Und sei es, dass wir alles ganz anders machen wollen. Obwohl inzwischen immer mehr Väter zumindest einige Wochen Elternzeit nehmen, greifen viele Paare auf tradierte Rollen zurück: Sie bleibt mit dem Baby zu Hause, er übernimmt die Rolle des Versorgers. Entscheidend ist, wie zufrieden beide damit sind – und wie lange. Die frischgebackenen Mütter wünschen sich zwar Unterstützung und Beteiligung, machen es den Vätern jedoch nicht immer leicht. Wenn wir die Männer ständig kontrollieren und korrigieren, ist es nicht erstaunlich, dass sie sich irgendwann zurückziehen.

Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt können die Nerven also blank liegen?

Meist sind die Nächte mit dem Baby noch unruhig, beide Eltern müde, die Frauen vielleicht auch körperlich noch nicht wieder so in Form, wie sie es sich wünschen. Ich rate den Paaren, sich gezielt zu verabreden. Räumt die Küche nicht auf, macht einfach die Tür zu, lasst euch meinetwegen eine Pizza kommen! Nehmt euch Zeit und redet miteinander – vor allem über eure Gefühle! Es ist wichtig, dem anderen auch wirklich unvoreingenommen zuzuhören, an seinen Freuden, aber eben auch an seinen Sorgen und Nöten teilzunehmen.

Und wenn Verständigung nicht gelingt?

Das liegt oft an den unterschiedlichen Kommunikationsstilen. Direkte Kommunikation führt zum Ziel! Wenn die Frauen meinen, die Männer sollen doch bitte erahnen, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt, dann ist das schlicht eine Überforderung. Ich empfehle werdenden Eltern, sich schon während der Schwangerschaft ganz konkret über ihre Erwartungen auszutauschen.

Können Sie eine bestimmte Methode empfehlen?

Ein sehr anschauliches Werkzeug dazu ist der „Zeitkuchen“: 24 Tortenstücke, ein jedes steht für eine Stunde. Wie sieht die Zeitverteilung jetzt aus? Und wie wird sie wohl in der Zukunft aussehen, wenn das Kind da ist? Wenn beide Partner das einzeln ausfüllen, können sie ihre Einschätzungen gut vergleichen.

Braucht das Elternpaar mitunter auch Unterstützung von außen?

Sie merken ja, wenn die Zweisamkeit leidet. Ein Anzeichen kann sein, dass der Mann sich mehr und mehr nach außen orientiert – mehr Überstunden macht oder plötzlich für einen Marathon trainiert! Oder sie geht immer mehr auf Distanz. Spätestens dann sollte man die Reißleine ziehen. Hilfe bieten neben verschiedenen Therapeuten auch kirchliche Beratungsstellen oder pro familia.

Lohnt sich auch mal ein Blick in die Internet-Foren, in denen sich Betroffene austauschen?

Das ist selten fruchtbar – man fühlt sich dort meist lediglich in seiner Wahrnehmung, in seinem Gekränktsein bestätigt, doch wirklich neue Impulse kommen dort selten dazu. Eine professionelle Beratung bietet da mehr Chancen.

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