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Fieberbehandlung bei Kindern – Erfahrungen einer Hebamme

Fieberbehandlung bei Kindern – die Erfahrungen einer Hebamme

Fieber spielt eine ganz besondere Rolle in der Entwicklung eines Kindes. Warum daher Eltern bei der Behandlung von Fieber nicht automatisch auf fiebersenkende Arzneimittel zurückgreifen sollten, erläutert die Heilpraktikerin, Hebamme und Mutter von 3 Kindern Manuela Burkhardt.

WALA: Die Anthroposophische Medizin verzichtet nach Möglichkeit darauf, Fieber im Kindesalter mit fiebersenkenden Arzneimitteln zu unterdrücken. Können Sie die Gründe dafür erläutern?

Manuela Burkhardt: Fieber ist eine ganz normale Abwehrreaktion des Körpers, die bei der Bekämpfung von Infektionen eine wichtige Rolle spielt. Der „Thermostat“, der unsere Körperwärme regelt, sitzt im Hypothalamus – einem Abschnitt des Zwischenhirns – und sorgt stets für eine Körpertemperatur um 37 Grad Celsius. Krank werden wir meist dann, wenn wir zum Beispiel kalte Füße bekommen haben oder in anderer Weise nicht im Gleichgewicht sind. Bakterien oder Viren im Körper vermehren sich, in der Blutbahn entstehen Fieberstoffe, die so genannten Pyrogene, und lösen im Hypothalamus „Alarm“ aus – mit Fieber als Folge. Die höhere Körpertemperatur schwächt die krankmachenden Eindringlinge, gleichzeitig unterstützt sie das Immunsystem, indem sie die Bildung von Abwehrzellen anregt. Die Temperatur bleibt nur so lange erhöht, bis der Infekt überwunden ist und die Erreger beseitigt sind.

Nach dem Fieber ist alles wieder gut?

Mehr als das. Diese Auseinandersetzung mit der Umwelt stärkt das Immunsystem nachhaltig und beugt so zu einem gewissen Grad weiteren Infekten vor. Fieber hilft dem Kind zudem, sich immer weiter zu individualisieren. Eltern berichten oft von deutlichen Entwicklungsschritten ihres Kindes nach einer fieberhaften Erkrankung: Es ist vielleicht einige Zentimeter gewachsen, seine Weise zu malen hat sich verändert, so bekommen Figuren auf einmal Haare oder Extremitäten. Und plötzlich erlebt das Kind die Umwelt neu.

Wenn Kinder einen fieberhaften Infekt durchmachen, denken dennoch viele junge Eltern zunächst an Paracetamol. Wie bringen Sie Therapiealternativen ins Gespräch?

Ich versuche, den Eltern erst einmal die Angst vor Fieber zu nehmen, indem ich über seine heilende Wirkung aufkläre. Natürlich sage ich auch, wann zum Beispiel ein Arztbesuch notwendig wird. Außerdem erzähle ich, welche Folgen unterdrücktes Fieber haben kann. Denn wenn diese natürliche Körperreaktion auf das Eindringen von Krankheitserregern grundsätzlich unterdrückt wird, haben die Eindringlinge erst recht ideale Bedingungen, sich zu vermehren. Fehlendes Fieber schwächt das Immunsystem vor allem in seiner Fähigkeit zur Selbstregulation. Eine derartige Störung des körpereigenen Immunsystems kann sogar das Asthmarisiko erhöhen: die 2008 veröffentlichte ISAAC-Studie (siehe Infokasten) ergab, dass die Einnahme von Paracetamol während der Kindheit das Risiko erhöhen kann, an Asthma, allergischem Schnupfen und Ekzemen zu erkranken. Nach solchen Ergebnissen ist davon auszugehen, dass auch klassische Schulmediziner zunehmend die Gabe von fiebersenkenden Arzneimitteln bei Kindern kritisch hinterfragen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten empfehlen Sie aus Ihrer Erfahrung heraus?

Die Behandlung von Fieber soll entsprechend der Individualität des Kindes und seiner Entwicklung erfolgen, ohne dass man dabei dogmatisch vorgeht. Also lieber mehr das Kind als ausschließlich das Fieberthermometer beobachten. Unter Berücksichtigung des Lebensalters gilt: Säuglinge bis zu drei Monaten bei Fieber immer einem Arzt vorstellen. Wenn ein Kind so schwer krank wirkt, wie die Eltern es noch nicht erlebt haben, ist auch bei nur leicht erhöhter Temperatur ein Arzt aufzusuchen. Ist das Kind trotz Fieber gut ansprechbar und trinkt, ohne erbrechen zu müssen, können die Eltern bedenkenlos das Fieber und damit das Immunsystem in seiner natürlichen Abwehrreaktion mit potenzierten Arzneimitteln begleiten. Da Kinder bei Fieberanstieg frösteln, empfiehlt es sich, sie gut zuzudecken und mit warmem Lindenblütentee zu behandeln. Generell ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Erst wenn das Kind „glüht“ und die Extremitäten heiß sind, kann an eine Wärmeausleitung mit Hilfe von Wadenwickeln gedacht werden.

Die ISAAC-Studie

Im Rahmen der so genannten ISAAC-Studie (International Study of Asthma and Allergies in Childhood) – veröffentlicht 2008 in dem renommierten Medizinjournal The Lancet – untersuchte ein Forschungsteam rund 206.000 Kinder in 31 Ländern im Alter von sechs und sieben Jahren. Die Erziehungsberechtigten befragte man über die Gabe von Paracetamol zur Fiebersenkung im Säuglings- und Kleinkindalter sowie über das spätere Auftreten von Asthma, allergischem Schnupfen (z. B. Heuschnupfen) und Ekzemen im Alter von sechs und sieben Jahren. Eine statistische Auswertung dieser Daten ergab eine Korrelation zwischen der Gabe von Paracetamol und dem späteren Auftreten der Erkrankungen.

Beasley R, et al. Association between paracetamol use in infancy and childhood, and risk of asthma, rhinoconjunctivitis, and eczema in children aged 6-7 years from Phase Three of the ISAAC programme. The Lancet 2008; 372: 1039-1048.

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