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Vom heilsamen Spiel: 20 Jahre Clowns im Dienst e. V.

Der bereits im Jahr 2000 gegründete Verein Clowns im Dienst hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder in Ausnahmesituationen zu begleiten. Ein Krankenhausaufenthalt, eine schwere Erkrankung sind für Kinder wie auch für ihre Angehörige einschneidende, oft belastende Erlebnisse. Angst, Anspannung und Stress erschweren den Heilungsprozess. Das wissen wir bei der WALA nur zu gut. Und deshalb finden wir die Arbeit der Clowns im Dienst so wichtig.

Wie setzen die Clowns hier mit ihrer Arbeit an?

Zuallererst bitten wir bei unseren Clownsvisiten um Einlass und drängen uns nie auf. „Klopf, klopf, klopf – dürfen wir hereinkommen?“ steht deshalb am Anfang jedes unserer Besuche. Ist das Kind bereit für uns und lässt uns ein, dann geht es zunächst darum, den Raum zu schaffen für ein freundliches Miteinander und dann einen Raum aufzuspannen für Spiel und Fantasie. Es geht keinesfalls darum, dem Kind etwas „vorzuspielen“. Vielmehr geht es darum, die Selbstwirksamkeit des anderen zu ermöglichen. Was mir vom Kind entgegengebracht wird, daran entlang arbeite ich. Das gemeinsame Lachen ist sehr entspannend und macht vieles leichter – aber es ist nicht unbedingt das Wichtigste. Humor ist eine Herzensgüte und nicht zu verwechseln mit Spaß!

Als Clowns im Dienst wolltet ihr das Jubiläum des 20-jährigen Bestehens unbedingt am Ort eures Wirkens feiern – in der Kinderklinik. Doch wie bei so vielen Feierlichkeiten im Jahr 2020 machte Corona euch einen Strich durch die Rechnung. Und nun?

Wir lassen uns keinen Strich durch die Rechnung machen! Schließlich gehört Improvisation zum Handwerkszeug eines jeden guten Clowns. Gerade in der Zeit des Lockdowns war es für die kleinen Patientinnen und Patienten besonders wichtig, dass sie bedacht wurden. Aber auch viele ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen litten unter der Einsamkeit. Die Clowns haben sich deshalb auf den Weg gemacht und – sofern es das Wetter zuließ – in den Innenhöfen von Kliniken und Pflegeheimen unsere Aufwartung gemacht. Mit Grußplakaten, kleinen Konzerten und Spiel.

Um Kinder und ältere Menschen auch direkt vor Ort zu „erreichen“, haben wir zudem die sogenannte Clownspost ins Leben gerufen. Kleine Pakete mit persönlichen Briefen, Rätselblättern, Sammelkarten, kleinen Geschenken und Geschichten machten sich auf den Weg in die Kliniken und Pflegeheime. Und so entstand in den vergangenen Monaten ein reger Briefwechsel. Aber auch in den sozialen Netzen waren und sind wir verstärkt aktiv. Wir haben den nötigen Abstand durch Herzlichkeit zu überbrücken versucht. Und auch den Pflegenden Wertschätzung in Form von Päckchen entgegengebracht.

Aber: Unser großes Jubiläumsfest im Rathaus in Tübingen und auf dem Marktplatz und ebenso ein Geburtstagsfest in der Kinderklinik werden wir feiern, sobald dies wieder möglich ist.

"Als Clown begebe ich mich auf die Ebene des Kindes, und das Wichtigste und Heilsamste für ein Kind ist das Spiel. „…“ So kann ich als Clown eine wunderbare Begleiterin und eine wirkliche Verbündete des Kindes sein.“ Christel Ruckgaber

„Die Coronazeit entpuppte sich als eine Chance, den Kindern auf den drei onkologischen Stationen in der Kinderklinik Tübingen mal ganz anders zu ‚begegnen‘. Aus unserem wöchentlichen Spieltag wurde ein Posttag, an dem jedes Kind Clownspost bekam…“
Christel Ruckgaber

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Kliniken aus?

Das Klinikleben ist gekennzeichnet von Komplexität. Für uns ist wichtig, dass wir auf die Zusammenarbeit bauen können – es geht ja um ein Miteinander und darin ist eine „Übergabe“ vor jedem Clownseinsatz ein zentrales Element. Vor den Besuchen bei den Patientinnen und Patienten steht ein Gespräch mit den Pflegenden. Den momentanen Zustand des Kindes zu kennen, aber auch Einblicke in seine Biografie sind für uns ganz wesentliche Voraussetzungen für die Begegnung.

Die Clowns tauchen ganz stark in den Moment ein und entscheiden sich bei jeder Begegnung für ein „Füreinander“. Wir sind nicht therapeutisch tätig, sondern als Künstler und Pädagogen für das Kind da. Auf diese Weise entsteht ein „Dazwischen“, ein Begegnungsraum, in dem wir nicht intellektuell, sondern emotional und spielerisch kommunizieren – eine Kernkompetenz eines jeden Clowns, wenn man so will. Hilfreich für den Brückenschlag im Miteinander sind zum Beispiel Handpuppen oder Musik. Clowns gehen grundsätzlich immer zu zweit in die Clownsvisite. Das dialogische Prinzip dient immer auch als Korrektiv und ist zudem eine Bereicherung.

„Wenn ich als Clown in die Klinik gehe, ist es nicht meine Aufgabe, Mitleid mit dem Kind zu haben. Die Diagnose, die der Arzt gestellt hat, ist nur ein Teil der Wirklichkeit, ein anderer Teil ist das, was in jedem Kind ist und immer sein wird, eine von Krankheit unbelastete und unbeeindruckte Quelle für Spiel und Fantasie, für Liebe und Kreativität.“ Christel Ruckgaber

Gibt es eine besondere Begegnung, von der du erzählen möchtest?

Wir sind ja seit fast 20 Jahren auch in der Geriatrie und in Senioreneinrichtungen unterwegs und besuchen dort Bewohner/-innen, die demenziell erkrankt oder bettlägerig sind. Auch diese Arbeit ist uns sehr wichtig. Mehr noch als bei Kindern geht es um die Biografie des Einzelnen. Für die Clowns ist auch dort die „Übergabe“ ein zentrales Element, um die momentane Befindlichkeit zu kennen und mehr über die Biografie zu erfahren. Die Clowns begleiten Menschen am Ende ihres Lebens – oft über einen längeren Zeitraum. Es entstehen wichtige Beziehungen. Aus dieser Arbeit möchte ich eine kleine Begebenheit erzählen.

Eine alte Dame, in Griechenland aufgewachsen, mit demenzieller Veränderung, sie sprach am Anfang im Pflegeheim Deutsch, aber jetzt nur noch in ihrer Muttersprache. In der Übergabe erfahren die Clowns, dass die Patientin eher unzugänglich ist und in der Gruppe gemieden wird. Die Clowns haben nach der Begrüßung, auch mit griechischen Wortversuchen, das Lied „Hafen von Piräus“ angestimmt, und sie hat begeistert und laut mitgesungen. Da war sie plötzlich mittendrin, und die anderen aus der Gruppe haben sie mit Klatschen unterstützt. Für den nächsten Besuch wollte die Clownin ein Lied von Mikis Theodorakis auf der Mandoline vorbereiten. Die Bewohner/-innen fanden die Kleider der Clowns so schön und freuten sich, dass die beiden sich für den Besuch bei ihnen extra so schick gemacht hatten.

Neben der eigentlichen Arbeit in den Kliniken und Pflegeheimen ist der Verein aber auch in eigener Sache gefordert, denn ihr finanziert euch ausschließlich durch Spenden. Wie geht ihr hier vor? Und vor allem: Wie kann man eure Arbeit unterstützen?

Wir nutzen natürlich Plattformen, die uns geboten werden, um auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen. Das sind etwa Benefizaktionen ganz unterschiedlicher Gruppen und eigene Veranstaltungen wie z. B. letztes Jahr in der Tübinger Stadtbibliothek, bei denen wir mit Aktionen für Kinder und mit Infoständen auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Wir wertschätzen unsere Spender, vor allem, wenn Jugendliche, Kinder und deren Eltern sich für uns engagieren, aber natürlich auch Unternehmen und Stiftungen. Wir freuen uns sehr, wenn uns Firmen wie WALA z. B. für die Filderklinik unterstützen, und sind dafür dankbar!

Und natürlich wirken wir auch durch das, was wir sind: Die Figur des Clowns steht für Freude, Leichtigkeit und eine positive Sichtweise. Bei sämtlichen Aktionen achten wir immer darauf, die Balance zu halten und niemals in die Banalität abzugleiten. Aber wir machen auch auf Probleme aufmerksam, indem wir uns an Aktionen unseres Dachverbands Clowns in Medizin und des Vereins Pflege Deutschland beteiligen. Denn ein Clown ist jemand, der sich etwas zu sagen traut – und das, wo es nötig erscheint, auch laut.

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Christel Ruckgaber, Gründerin Clowns im Dienst e. V.

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