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Pflege Zuhause: Palliativpflege

Wie viel Zeit bleibt uns noch?

Wenn wir das wüssten, dann ließen sich die Kräfte für die Begleitung eines sterbenden Angehörigen besser einteilen. Dann würden wir die gemeinsamen Tage intensiver genießen oder manche Fragen früher stellen. „Wir sollten mehr miteinander reden und weniger delegieren“ findet Gerda Zölle, Pflege- und Palliativfachfrau bei der WALA. Sie plädiert für eine gänzlich andere Sterbekultur. Eine, die dem Tod mehr Raum im Leben gibt.

Dass sich Gerda Zölle mit dem Sterben, dem Tod und der Trauer so gut auskennt, liegt an ihrem Beruf: Professionelle Pflegekräfte sind über das Lebensende hinaus zuständig. Zu ihren Aufgaben gehört nicht nur die Begleitung Sterbender, sondern auch das Waschen, Kleiden und Aufbahren der Toten, das Informieren und In-den-Arm-Nehmen der Angehörigen. Wo Gerda Zölle keine Berührungsängste kennt, da gehen viele Menschen auf Abstand, selbst bei ihren Liebsten. Denn der Tod hat kaum noch Platz in unserem Leben. Er wird ungern mitgedacht, geschweige denn angesprochen, es fehlen Rituale und auch praktische Erfahrungen. Wäre der Tod kein solches Tabuthema, dann wüssten wir alle, wie befreiend ein Gespräch über die letzten Wünsche eines Sterbenden sein kann. Wir wüssten, dass es ambulante Palliativteams gibt, die eine gute häusliche Sterbebegleitung möglich machen. Oder dass man einen Verstorbenen je nach Bundesland 24, 36 oder 48 Stunden lang bei sich behalten und sogar noch kurz nach dem Tod aus dem Krankenhaus nach Hause holen kann. Die örtlichen Informationsportale und Bestattungsunternehmen geben Auskunft.

„Pflege ist eine Kulturaufgabe, ein Dienst am Menschen bis zu seinem Tod und darüber hinaus.“

Gerda Zölle

Sich dem Tod zuzuwenden, kann dem Sterben Leichtigkeit verleihen. Weil es der eigenen Unsicherheit Raum gibt und den Sterbenden ernst nimmt. Weil nur dann unterstützende Botschaften möglich sind wie: Ich bin bei dir bis zuletzt. Ich will wissen, was du heute brauchst, was du dir für morgen wünschst – und für die Zeit nach deinem Tode.

Wann beginnt die Sterbephase?

Wann wird aus der häuslichen Pflege eine häusliche Sterbebegleitung? Der Übergang ist fließend. Sie werden wahrscheinlich beobachten, dass sich die Aktivität des Pflegebedürftigen immer stärker einschränkt, dass er mehr Hilfe braucht oder das Bett nicht mehr verlassen möchte. Es handelt sich dann bereits um eine fortgeschrittene Phase. Aus medizinischer Sicht beginnt die Palliativsituation, wenn keine Aussicht auf Heilung mehr besteht. Das kann schon Monate oder Jahre vor dem Tod so sein.

Papa: plötzlich palliativ.
Papa, wann haben wir eigentlich begriffen, dass du nicht mehr lange leben würdest? Dass wir in etwas hineingeraten waren, das medizinisch korrekt als „Palliativsituation“ bezeichnet wird? War es im Juni, als du den ersten Harnröhrenkatheter bekamst? War es Anfang Juli, als plötzlich der Pflegedienst vor der Tür stand? War es Mitte Juli, als ich wieder in mein altes Kinderzimmer zog? Oder war es im August, als wir dich mit Nierenversagen ins Krankenhaus brachten, wo du nur fünf Tage später sterben solltest?

Rückblickend erkenne ich, dass diese drei Monate im letzten Sommer die Terminalphase und Finalphase deines Lebens darstellten. Damals war mir das überhaupt nicht klar. Du hast ja noch fidel im Wohnzimmer gesessen, mit der Zeitung geraschelt und dich auf jede Tasse Kaffee gefreut. Erst als dich der Toast mit Leberwurst „nicht mehr interessierte“, habe ich begriffen, dass etwas Unumkehrbares seinen Gang nahm. Etwas, das sich – wenn ich ehrlich bin – bereits zwei Jahr zuvor abzeichnete, als du dich ganz langsam von der Welt um dich herum loszusagen begannst. Damals hast du die erste palliative Phase eingeläutet.

Heute weiß ich: Damals begann dein Sterbeprozess.

Anne

Es geht ums Loslassen

Versuchen Sie, einen sterbenden Menschen nicht auf irgendeinem, sondern auf seinem persönlichen Weg zu begleiten. Denn es ist ja immer noch sein Lebensweg, nur halt das allerletzte Stück. Die Entscheidung, ob und wie lange es zu Hause geht, sollten Sie gemeinsam treffen. Ein Hospiz besichtigen? Den Bereitschafts- oder gar Notarzt rufen? Wann immer möglich, hat auch hierbei der Sterbende ein Wörtchen mitzureden. Wichtig ist, dass ein Mensch in seinen letzten Wochen oder Tagen keine Atemnot und keine Schmerzen hat, siehe Tipp Nr. 3. Alles andere ist jetzt nur noch Kür: Besuch darf handverlesen oder abgesagt werden. Und auch wer Diabetes hat, bekommt auf Wunsch natürlich ein Stück Sahnetorte.

„Vor dem Tod immer zugunsten des Sterbenden, nach dem Tod zugunsten der Hinterbliebenen.“ Eric Wrede, lebensnah-Bestattung

Es geht ganz viel ums Loslassen: loslassen, was sonst immer galt, was die Nachbarn denken oder wie man sich die letzten Tage eigentlich vorgestellt hatte. Das gilt sowohl für den sterbenden Menschen als auch für seine Angehörigen. Die verbleibende Zeit ist viel zu kostbar, um die Wohnung zu putzen oder mit Gott und der Welt zu telefonieren. Übrigens: Wenn Ihnen das Wort „loslassen“ unsympathisch ist, können Sie es mit „zulassen“ probieren.

„Loslassen meint auch: Steht noch etwas im Raum? Gibt es noch etwas zu verzeihen? Bin ich es vielleicht, die den sterbenden Menschen nicht gehen lassen will?“

Gerda Zölle

Die letzten Tage

Wenn Sie sicherstellen, dass der Sterbende keine Schmerzen und keine Atemnot hat, dann spricht nichts gegen eine palliative Begleitung zu Hause. Nahrung und Körperpflege – zwei sonst so zentrale Aspekte der Pflege – treten jetzt in den Hintergrund. Sie können einen sterbenden Menschen sanft mit einem Öl einreiben, statt ihn zu waschen. Rose ist eine gute Wahl in seelisch belastenden Situationen. Der Duft und die Wärme des Öls werden von vielen als angenehm empfunden. Vielleicht spüren Sie beim Einreiben, dass Hände und Füße bereits kühler sind als gewohnt. Durch die Wärme von außen unterstützen Sie den Körper des Sterbenden. Und durch innere Wärme – ein Streicheln, ein Gespräch oder auch einfach nur Ihre Nähe – machen Sie der Seele Mut.

Auch wenn ein sterbender Mensch kaum mehr oder gar nicht mehr isst, bleibt Mundpflege ein Thema. Denn weil die Atmung nur noch über den Mund stattfindet, trocknet dieser schnell aus, werden die Lippen spröde. Mit langen Watte-Tupfern und etwas Flüssigkeit (Wasser, Saft, Tee) können Sie die Mundhöhle befeuchten. Für die Pflege der Lippen eignen sich zum Beispiel das Lippengold oder das Lippenkosmetikum von Dr. Hauschka.

Die letzten Stunden

Einen Sterbenden zu begleiten, ist immer auch aktive Trauerbewältigung. Wichtiger als irgendetwas zu tun, ist einfach da zu sein. Wechseln Sie sich ab, wenn Sie eine Pause brauchen oder wenn weitere Familienmitglieder bzw. Freunde noch etwas Zeit am Sterbebett verbringen möchten. Manche Angehörige organisieren Nachtwachen. Und manche Sterbende nehmen ihren letzten Atemzug just in einem Moment, in dem sie alleine sind.

Was Sterbende noch hören

Bitte machen Sie sich bewusst: Das Gehör schwindet als letzter Sinn. Auch wenn ein sterbender Mensch nicht mehr auf Ihre Ansprache reagiert, kann er Sie noch hören. Ob, was, und wie laut Sie in seiner Gegenwart sprechen, vorlesen, beten oder singen, liegt in Ihrer Verantwortung. Gespräche, die nicht für die Ohren des sterbenden Menschen bestimmt sind, sollten Sie unbedingt außer Hörweite führen.

„Wird ein Mensch geboren, so stirbt ein Geist. Stirbt ein Mensch, so wird ein Geist geboren.“ Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg)

Der letzte Atemzug

So wie das Leben mit dem ersten Atemzug beginnt, so endet es mit dem letzten. Deshalb kommt der Atmung eine besondere Bedeutung zu, sie verbindet jeden Menschen mit dem Irdischen. Ein sterbender Mensch gibt oft rasselnde Atemgeräusche von sich. Das ist ganz natürlich und bedeutet nicht, dass er leidet.


Wenn Sie das Bedürfnis haben, den Sterbenden zu unterstützen, können Sie seine Füße mit Ihren Händen umschließen. So stärken Sie den Punkt, von dem aus sich ein Mensch – aus anthroposophischer Sicht – von seinem Körper löst. Bitte ziehen Sie sich zurück, wenn Sie eine Abwehrreaktion spüren. Sie können den Sterbenden nicht weiter als bis zu der Schwelle begleiten, an der er das irdische Leben verlässt. Er geht weiter, Sie bleiben vorerst zurück.

„Der Tod ist ebenso wie die Geburt ein Geheimnis der Natur, hier Verbindung, dort Auflösung derselben Grundstoffe.“ Marcus Aurelius, römischer Kaiser

Gerda Zölle, 59, ist gelernte Altenpflegerin und Palliativfachfrau, Lehrerin für Pflegeberufe und Expertin für anthroposophische Pflege. Sie leitet die Fachberatung Pflegeberufe bei der WALA.

7 Tipps für die Begleitung Sterbender:

Es ist völlig unmöglich, für den Umgang mit dem Lebensthema Tod lediglich 7 Tipps anzubieten. Betrachten Sie es einfach als Anfang.

Tipp 1: Sich mit dem Tod anfreunden

Das geht ganz einfach, wenn Sie das Museum für Sepulkralkultur in Kassel besuchen. Es nähert sich dem Tod mit Verstand, Beharrlichkeit – und Humor (www.sepulkralmuseum.de). Auch der Podcast „endlich. Wir reden über den Tod“ macht den Einstieg leicht: In jeder Folge sprechen Caroline Kraft und Susann Brückner mit einem anderen Gast über den Tod. Und über das Leben natürlich auch.

Tipp 2: Äußere Anwendungen als Sterbebegleiter

Wärme ist ein großes Geschenk für Sterbende. Mit Einreibungen, Auflagen, Handbädern und anderen äußeren Anwendungen können Sie Wärme mit der Kraft von Heilpflanzen kombinieren. Gerda Zölle hat ein ganzes Buch über äußere Anwendungen als Sterbebegleiter geschrieben. Es ist am 25.10.2021 erschienen.

Hier geht´s zur Buchbestellung.

Tipp 3: Unterstützung organisieren

Eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung bei Ihnen zu Hause übernehmen so genannte SAPV-Teams. Zum Team gehören palliativ geschulte Pflegekräfte und Ärzte, so dass eine umfassende Schmerztherapie oder auch eine Versorgung mit Sauerstoff möglich ist. Mit einer ärztlichen Verordnung werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Adressen finden Sie über Bürgerportale, Hospize oder auf www.palliativ-portal.de.

Tipp 4: Letzte Wünsche erfüllen

Wenn ein Wunsch Ihre Möglichkeiten übersteigt, können Sie sich an den Wünschewagen der Johanniter wenden. Mitfahren darf jeder, der noch transportfähig ist, das Ziel bleibt dem Wünschenden überlassen – ob ans Meer, ins Stadion, zum Konzert, zur Familie oder noch einmal nach Hause. Möglichst jeder Wunsch wird erfüllt, und das dank Spenden und ehrenamtlichem Engagement kostenfrei: https://wuenschewagen.de.

Tipp 5: Kinder einbeziehen

Es hilft Kindern, wenn sie begreifen dürfen, dass ein Mensch stirbt. Wenn sie einbezogen werden, indem sie z.B. ein Bild in den Sarg legen oder die Beerdigung nachspielen können – der niederländische Trauerpädagoge Richard Hattink hat Lego-ähnliches „Bestattungsspielzeug“ entwickelt (www.funeraltoys.com). Auch in Geschichten lassen sich starke Erlebnisse verarbeiten. Es gibt Bilderbücher für die Kleinsten (etwa „Auf Wiedersehen Papa“ von Christina Pfifferling), Sachbücher (z.B. „Und was kommt dann?“ von Pernilla Stalfelt) oder komplexe Geschichten für etwas größere Kinder (wie „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren).

Tipp 6: Sich selbst nicht vergessen

Auch wenn sich gerade alles um einen sterbenden Menschen dreht, sollten Sie sich selbst nicht völlig aus den Augen verlieren. Haben Sie genug getrunken? Wer könnte Sie für eine Stunde oder eine Nacht ablösen? Wie wäre es mit einer kleinen Stärkung zwischendurch - zum Beispiel in Form einer Einreibung mit Malvenöl*Das Malvenöl baut auf und hilft auch bei nervöser Erschöpfung.

* Pflichtangaben

Tipp 7: Das passende Bestattungsunternehmen suchen

Bestattungsunternehmen können mehr als nur bestatten. Suchen Sie sich rechtzeitig und ganz in Ruhe einen Anbieter aus, der Ihre Wünsche respektiert und ebenso respektvoll mit Ihrem Verstorbenen umgeht. Mit Suchbegriffen wie „individuelle oder selbstbestimmte Bestattungen“ finden Sie im Internet jenseits der Branchenriesen viele kleine Unternehmen, die eine persönliche Begleitung anbieten. Meist sind diese Bestatterinnen und Bestatter gut vernetzt und legen ihre wertvollen Kontakte offen. Im Netzwerk Bohana zum Beispiel finden Sie Adressen von Sterbebegleitern, Musik für die Trauerfeier, aber auch eine Anleitung für selbstgenähte Sargkissen oder das Rezept für eine Kraftsuppe (www.bohana.de).


„Jedes Leben ist einzigartig. Jeder Abschied sollte es auch sein.“ Birgit Scheffler, Bestattungsunternehmen „Das Fährhaus“

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*Pflichtangaben

Malvenöl

Ölige Einreibung
Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: Anregung des Aufbaustoffwechsels bei nervöser Erschöpfung, z.B. Rekonvaleszenz. Warnhinweis: Enthält Erdnussöl. WALA Heilmittel GmbH, 73085 Bad Boll/Eckwälden, DEUTSCHLAND.

Mundbalsam flüssig

Mischung
Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis. Dazu gehören: Harmonisierung der Auf- und Abbauvorgänge bei akuten und chronisch-rezidivierenden entzündlichen Schleimhautaffektionen im Mundbereich. Warnhinweis: Enthält 13,5 Vol.-% Alkohol. Enthält Lactose. WALA Heilmittel GmbH, 73085 Bad Boll/Eckwälden, DEUTSCHLAND.
Dieses Präparat gehört zu den vielen WALA Arzneimitteln, die wir hier nicht näher beschreiben. Bitten Sie Ihren Arzt oder Apotheker um weitere Informationen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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