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Biografiearbeit Teil 3: Die spannenden Jahre bis zur Lebensmitte.

Der Lebensabschnitt zwischen 21 und 42 Jahren ist für viele Menschen eine Aufbauzeit – beruflich wie privat. Welche Aufgaben, welche Zweifel und welche typischen Krankheiten prägen diese Phase? Susanne Hofmeister, die sich als anthroposophische Ärztin schwerpunktmäßig mit Biografiearbeit beschäftigt, lädt ein, sich diesen Fragen zu stellen.

Zeit der seelischen Entwicklung
4. Jahrsiebt (von 21 bis 28) -> Sturm und Drang
5. Jahrsiebt (von 28 bis 35) -> das Leben organisieren
6. Jahrsiebt (von 35 bis 42) -> Karriere und Balance

Die Beletage des Lebenshauses

Susanne Hofmeister arbeitet mit dem Bild eines Hauses, um die verschiedenen Lebensphasen zu veranschaulichen. Im Erdgeschoss liegen die Räume der Kindheit und Jugend (damit beschäftigt sich der vorangegangene Artikel). Dieser vertraute Bereich wird mit etwa 21 Jahren zu eng, nun lockt die große Freitreppe, die in den ersten Stock des Lebenshauses führt. Dort warten großzügige Räume, in denen es sich gut lernen, lieben und die Welt verbessern lässt. Drei Jahrsiebte lang, also bis zur so genannten Lebensmitte, wird die Beletage der passende Rahmen für das Sichausprobieren, für den Einstieg in Beruf und Familie sein.

Zeit der seelischen Entwicklung

Nachdem die leibliche Entwicklung mit Ende der ersten drei Jahrsiebte abgeschlossen ist, drehen sich die drei Jahrsiebte ab 21 um die seelische Entwicklung: Freundschaften fürs Leben, Ausbildung und Arbeit, Reisen, Familiengründung, Karriereplanung und Selbstbestimmung sind die Themen dieser Jahre. Bis Mitte dreißig scheint alles machbar, die eigene Kraft noch unbegrenzt. Wir fühlen uns frei und unbelastet.

„Taucht in den Vierzigern das Gefühl auf, etwas verpasst zu haben, hängt das oft damit zusammen, dass es zu wenig Raum für die Ausgelassenheit der Zwanziger gab.“ Susanne Hofmeister

Der Ernst des Lebens beginnt

Nach dem Sturm und Drang der Zwanziger, die von Idealen und Enthusiasmus geprägt sind, stellt sich mit den Dreißigern immer stärker die Frage nach dem eigenen Weg. Wir können nun längerfristige und zielgerichtete Verantwortung übernehmen, sind oft gut organisiert und maximal einsatzbereit. Die eigene Persönlichkeit tritt immer deutlicher hervor. Wenn Kinder kommen, beginnt der Seiltanz zwischen Beruf und Familie. Aber wir sind auf dem Gipfel unserer Kraft und glauben, das Leben gehe immer so weiter.

Umbrüche zeichnen sich ab

Doch dann schleichen sich bei vielen Menschen erste Zweifel ein. Soll das alles gewesen sein? Die berühmte Krise in der Lebensmitte wirft Fragen auf. Es geht darum, den Sinn des eigenen Lebens, das persönliche Leitmotiv aufzuspüren. „Es kann sein, dass es notwendig wird, unser Leben privat oder beruflich konkret zu verändern. Es kann aber auch sein, dass äußerlich alles beim Alten bleibt, sich jedoch unsere Perspektive darauf oder unsere Schwerpunkte verschieben“, fasst Susanne Hofmeister zusammen.

„Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben.“ Johann Wolfgang von Goethe

Welche gesundheitlichen Themen begleiten die Jahre bis zur Lebensmitte?

Die meisten Menschen erleben die Zeit zwischen 21 und 42 als vorwiegend gesunde Phase. Störungen, die nun auftreten, klingen in der Regel wieder ab und verfestigen sich noch nicht zu einer organischen Erkrankung.

Aber Susanne Hofmeister beobachtet auch, dass in den Zwanzigern Ängste und Unfälle nicht ungewöhnlich sind. „Es heißt, dass sich mit 28 Jahren der eigene Schutzengel zurückzieht. Wir müssen nun mehr eigene Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen“, betont Hofmeister. „Die Ressourcen haben wir: Im fünften Jahrsiebt ist ein Mensch in seiner vollen Leibestiefe und Kraft angekommen. Trotzdem wird manchmal alles zu viel – Stress und Verspannungen können die Folge sein. Im sechsten Jahrsiebt tauchen erste Krankheitsängste auf, vielleicht ein unerklärliches Herzrasen oder gar ein Burnout.“

Es gehört zu diesen drei Jahrsiebten, sich hin und wieder zu verausgaben. Aber ebenso gehört es zu dieser Zeit, ein Gespür für die eigenen Grenzen zu entwickeln.

Wie geht es weiter?

In der nächsten Lebensphase, die mit Anfang 40 beginnt, geht es spannend weiter. „Jetzt liegt es an uns selbst, ob wir die nächsten Entwicklungsstufen hin zu einer zunehmenden Selbstbestimmtheit eines in sich erwachsenen Ichs gehen“, weiß Susanne Hofmeister. Mehr dazu in der nächsten Folge unserer Serie.

Rhythmus ist ein guter Begleiter

Kraft einsetzen, Kraft schöpfen. Sich selbst treu bleiben und zugleich den anderen achten. Nehmen und geben. Zwischen derartigen Polaritäten schwingt unser Leben. Im Idealfall tut es das nicht mit einer kräftezehrenden Unwucht, sondern in einem wohltuenden Rhythmus.

Rhythmen sind Leitmotive auf unserem Planeten: Angefangen von der Bewegung der Erde um die Sonne, über Ebbe und Flut, Tag und Nacht bis zum Ein- und Ausatmen jedes Lebewesens. Rhythmus gibt Schwung, er synchronisiert und organisiert. Er tut dies aber nicht starr wie ein Takt, sondern erlaubt Abwechslung: Sonst würden wir nicht vor Aufregung den Atem anhalten oder bei einem Strandspaziergang nasse Füße bekommen, weil eine Welle plötzlich aus der Reihe tanzt.

Wenn wir uns diese elementaren Rhythmen bewusst machen, verbinden wir uns mit der Natur und mit ihrer Energie. In der WALA setzen wir den Wechsel von Wärme und Kälte, Helligkeit und Dunkelheit, Ruhe und Bewegung ein, um unseren Auszügen eine stärkende Kraft mitzugeben. Denn Rhythmus trägt Leben. Diese rhythmischen Verfahren zeichnen uns aus.

Susanne Hofmeister
Sie ist promovierte Ärztin für anthroposophische Medizin und arbeitet als Coach mit ihrer eigenen Methode, der „Biographiearbeit im Lebenshaus®“. Dabei liegt ihr Fokus auf einem freudevollen Älterwerden. Susanne Hofmeister begleitet einzelne Menschen und bietet Fortbildungen für Expertinnen und Experten an, die dann das biografische Arbeiten einsetzen können, um sich und anderen neue Kraftquellen zu erschließen. Hier geht es zu ihrer Website.

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