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Auf den Spuren der Wildbienen

Wildbienen als Indikator für Artenvielfalt? Klingt erstmal kurios. Aber mittels eines Nisthilfekastens lässt sich am Standort der WALA feststellen, welche Arten hier summen und brummen – diese erlauben wiederum Rückschluss auf eine biodiverse Umgebung. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Biodiversität wird bei der WALA großgeschrieben und von Anfang an mitgedacht. Wer zum Beispiel an einer Führung durch unseren Heilpflanzengarten teilnimmt, kann die Artenvielfalt sehen, hören und riechen. Hier hat sich ein wahrer „Hotspot“ etabliert und die sorgsam gepflegte Vielfalt unserer Heilpflanzen spiegelt sich letztendlich in der hohen Qualität unserer Arzneimittel wider. Die Förderung der Biodiversität war auch von Anfang an ein Thema für das Gelände des 2017 gebauten Laborgebäudes der WALA. Hier lädt nun ein Biodiversitätspfad zum Entdecken, Informieren und Inspirieren über Flora und Fauna ein.

Kein Nischenthema

Ins Leben gerufen wurde er von WALA Mitarbeiter:innen aus dem „Arbeitskreis Biodiversität“. Dieser arbeitet strategisch aus der unternehmerischen Verantwortung heraus an Themen zu Biodiversität und Artenvielfalt. „Biodiversität ist ein globales Themenfeld. Was sind biodiverse Anbauflächen? Welchen Beitrag und welche Einflussmöglichkeiten können wir hier vor Ort und darüber hinaus einbringen, um Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern? Das sind Fragen, mit denen wir uns befassen“, erklärt die Agrarbiologin und WALA Mitarbeiterin Dr. Sonja Adamczyk, die den Arbeitskreis anleitet. Um Antworten zu finden, ist er besonders vielseitig aufgestellt: Unter anderem finden sich hier Gärtner:innen, Umweltbeauftragten, Naturwissenschaftler:innen, Landwirt:innen und Rohstoffeinkäufer:innen.

Von Bad Boll in die ganze Welt

Der Biodiversitätspfad ist ein Schritt, um Besucher:innen und Partner:innen aus der ganzen Welt mit ausgewählten Stationen zu inspirieren. Hier wurde ein vielseitiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten geschaffen: Entlang des Pfads darf zum Beispiel ein absterbender Kirschbaum stehen, der sonst gefällt worden wäre - weil er eben Lebensraum für viele kleine und große Bewohner ist und über alle Stadien vom lebenden Baum bis hin zum Totholz wertvolles Substrat bereitstellt. Und Wildbienen bekommen mit einer von der WALA selbstgebauten Nisthilfe einen artgerechten Raum, um sich hier zu vermehren.

Holz im Wandel: Der absterbende Kirschbaum wurde nicht gefällt – vielmehr ist er Lebens- und Nistraum für Wildbienen und andere Lebewesen.

Kreative Nistverschlüsse

Gleichzeitig können hier wertvolle Erkenntnisse eingeholt werden: Die verschiedenen Bohrlöcher in der Größe von 2 bis 10 Millimeter geben Auskunft darüber, welche Wildbienenart sich hier niederlässt – allein in Baden-Württemberg sind es über 480 Arten. Obwohl rund 75 % der nestbauenden Bienen im Erdboden nisten, kann man Arten, die Nisthilfen annehmen, durch den Bau sehr gut unterstützen. „Die großen Mauerbienen siedeln sich zum Beispiel in den großen Löchern an. Aber gerade die kleineren Löcher sind die interessanten: Hier nisten Arten der weniger bekannten Masken-, Scheren- und Löcherbienen“, erklärt Adamczyk. Der Verschluss der Löcher gibt Weiteres über die Bewohner preis: „Wildbienen sind sehr kreativ - mal kommen Gras und Blättchen zum Einsatz, mal Steinchen und Harz oder andere Baumaterialien“, ergänzt die Agrarbiologin. Die Analyse erfolgt dann durch die Expertise eines externen Biologen, der die speziellen Holzblöcke für das Monitoring integriert hat.

Sonja Adamczyk erklärt den Aufbau der Wildbienen Nisthilfe.

Wichtige Einzelkämpfer

Im Gegensatz zu den Honigbienen, bei denen der Nachwuchs permanent gepäppelt und gefüttert wird und ein Sozialstaat Voraussetzung für das Überleben ist, leben Wildbienen solitär: Nachdem die Biene ihre Eier, hintereinander und in Kämmerchen getrennt, abgelegt hat, ist das Werk schon getan. „Die Brut wird dann sich selbstüberlassen, frei nach dem Motto „Jetzt bin ich weg““, ergänzt Adamczyk schmunzelnd. Als Nahrung dient das sogenannte „Pollenbrot“, das die Biene ihrem Nachwuchs im Kämmerchen überlässt. „Was viele nicht wissen: Die Populationen der Wildbienen sind besonders für uns Menschen sehr wichtig, da Wildbienen schon bei niedrigen Temperaturen aktiv sind und Pflanzen bestäuben. Ohne die Wildbienen sähe unsere Obstauswahl definitiv karger aus - ganz abgesehen von der Artenvielfalt der Flora insgesamt.“

Die artenreiche Pflanzenvielfalt für Insekten ist auch Nahrungsquelle für die Wildbienen.

Der Speiseplan stimmt

Die vielen bereits verschlossenen Löcher deuten darauf hin, dass die Nisthilfe gut angenommen wird. „Das Praktische ist, das wir hier das ganze Wildbienenjahr optisch auswerten können. Eine erste Analyse der Nistbestandteile hilft uns dann dabei, nachzubessern und zu schauen, was wir machen können, um unsere Umgebung noch bienengerechter zu gestalten“, fasst Adamczyk zusammen. Das fleißige Treiben ist ein erster Hinweis darauf, dass sich hier verschiedene Bienenarten wohl fühlen – und gibt auch einen Rückschluss darauf, dass das Pflanzen- und Nahrungsangebot stimmt. Das Besondere an der Vielzahl der Wildbienenarten ist, dass sie artspezifisch ganz bestimmte Pflanzenarten benötigen, um zum Beispiel den notwendigen Pollenvorrat für ihre Brut anzulegen und damit die nachfolgenden Generationen zu sichern. Fehlen diese Pflanzenarten, so fehlen die entsprechenden Wildbienen.

Besuch erwünscht

Die Wildbienen Niststation ist nicht nur für die Expert:innen spannend anzusehen: Eine Bank in unmittelbarer Entfernung lädt zum Verweilen und Beobachten ein. Falls Sie in der Nähe wohnen oder die Region besuchen, erkunden Sie den Biodiversitätsfad auf eigene Faust – wir freuen uns auf Ihren Besuch! Der Pfad startet hinter unserem Laborgebäude (Bad Boll, Badwasen 2).

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