WALA Pflanzenarchiv
Königin der Nacht

Wissenswertes

Der wissenschaftliche Name unseres Kaktus leitet sich vom griechischen selene = Mond und lateinischen cereus = Wachslicht sowie grandiflorus = großblütig ab. Wachslicht bezieht sich auf die abschnittweise kerzengerade Wuchsform der Stängel als auch auf ihre Brennbarkeit. Indianer nutzten sie, getrocknet und in Öl getaucht, als Fackeln.
Die Urbewohner Amerikas kannten die Königin der Nacht äußerlich angewendet als Mittel gegen Rheuma und juckende Hautausschläge, innerlich als Wurmmittel, gegen Blasenentzündungen oder Fieber. Christoph Columbus (1451-1506) brachte diese heilträchtige Pflanze von seinen mittelamerikanischen Entdeckungsreisen mit nach Europa, wo sie im Jahr 1586 der französische Arzt und Botaniker Jacques Daléchamps (1523-1588) in seiner „Historia Generalis Plantarum“ beschrieb.
In Europa verbreitete sich das Wissen um die Königin der Nacht als Heilpflanze ab 1864, als Rocco Rubini (1805-1886), italienischer Arzt und medizinischer Direktor des homöopathischen Krankenhauses Santa Maria della Cesarea bei Neapel, seine Untersuchungsergebnisse über die Königin der Nacht im „British Journal of Homoeopathy“ veröffentlichte.1 Er fand heraus, dass eine aus dem Kaktus gewonnene Tinktur krampflösend auf die Herzkranzgefäße wirkt und die Durchblutung des Herzens steigert.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich aus diesem Wissen ein so starkes kommerzielles Interesse, dass bei den darauf folgenden Ernteaktionen die Königin der Nacht stark gefährdet wurde. Zum Glück stellt seit dem 3. März 1973 das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen den Handel mit wild gewachsenen Exemplaren unter Schutz.
Wegen ihrer imposanten und duftenden Blüten liegt der Volksglaube nahe, dass ein Sud aus gekochten Blüten der Königin der Nacht Frauen für eine Nacht eine gehörige Portion Sinnlichkeit verleihen soll.
Die Kakteengesellschaften in Deutschland, Österreich und in der Schweiz erklärten übrigens die Königin der Nacht zum Kaktus des Jahres 2009.