
Der wissenschaftliche Name Avena leitet sich vermutlich von dem Sanskritwort „avasa“ = Nahrung ab. Der Namenszusatz sativa ist lateinisch und bedeutet „angebaut“ - ein Hinweis darauf, dass der Hafer eine reine Kulturform ist. Sie wurde aus den Wildarten Flughafer (Avena fatua), Tauber Hafer (Avena sterilis) und Barthafer (Avena barbata) gekreuzt.
Haferfunde aus bronzezeitlichen Pfahlbauten in der Schweiz (Ende 3. bis Beginn 1. Jahrtausend v. Chr.) belegen, dass bereits damals dieses nahrhafte Getreide Verwendung fand. Laut Plinius (23-79) sollen auch die Germanen den Hafer geschätzt haben. Bis ins Mittelalter galt er als Nahrung der armen Leute. Die Griechen und Römer nutzten ihn hauptsächlich als Viehfutter und zu medizinischen Zwecken. Im Mittelalter braute man Bier aus Hafer.
Verschiedene Brauchtümer sind um den Hafer herum entstanden. Englische Bauern zum Beispiel legten Haferbüschel zur Weihnachtszeit aus, um ihre Tiere für das folgende Jahr vor Krankheit zu schützen. Fiel Tau auf den Hafer, war der Schutz besonders wirksam. Mancherorts bewarfen die Burschen junge Mädchen am Stefanstag (26. Dezember) mit Haferkörnern. Dieser als Steffeln bezeichnete Brauch galt als Fruchtbarkeitszauber. Je mehr Haferkörner in den Kleidern des Mädchens hängen blieben, umso mehr Kinder würde sie später einmal gebären. Aus dem gleichen Grund bewarf man Brautleute mit Hafer. Auf dem Brauttisch stand zudem eine Schale Wasser, in die man Haferkörner warf. Gingen sie unter, galt dies als schlechtes Omen für die Ehe.
Hafer gehört zu den hochwertigsten Getreidesorten in Mitteleuropa. Er enthält das neben dem hohen Proteingehalt von 12 Prozent viele Vitamine (vor allem B-Vitamine) und Mineralstoffe. Das Mehl lässt sich jedoch nicht verbacken, da es einen zu geringen Kleberanteil enthält. Vielseitig verbreitet sind dafür Haferflocken, Hafergrütze und Hafermilch. Die überwiegende Menge des produzierten Hafers wird heute allerdings an Pferde, Rinder und Hühner verfüttert.