WALA Pflanzenarchiv
Buchweizen

Wissenswertes

Der wissenschaftliche Name Polygonum leitet sich vom griechischen „polygonos“ = vieleckig ab und beschreibt die Form der Früchte. Der Namenszusatz „fagopyrum“ setzt sich aus den lateinischen Worten „fagus“ = Buche und „pyros“ = Weizen zusammen, entspricht also dem deutschen Namen Buchweizen. Dieser wiederum ist erstmals in einer lüneburgischen Urkunde von 1385 belegt. Die Namensgeber sahen in den Buchweizenfrüchten, die sie wie Weizen verwendeten, die Ähnlichkeit zu den Früchten der Buchen, den Bucheckern.
Die bisher ältesten Buchweizenfunde stammen aus dem Steppengebiet nördlich des Schwarzen Meeres, der heutigen Ukraine. Dort fand man Buchweizenfrüchte in Siedlungen der Skythen aus der Eisenzeit (7./6. und 5./4. Jahrhundert v. Chr.). Durch Handel und später durch die Kreuzritter verbreitete sich der Buchweizen bis in die Niederlande. Hauptanbaugebiete in Deutschland wurden damals Gegenden mit kargen Sand- oder Moorböden, auf denen der Buchweizen gut gedeiht, zum Beispiel die Lüneburger Heide und Mecklenburg. Niederländische Siedler nahmen ihn mit nach Nordamerika. Erst die Intensivierung der Landwirtschaft und der Einsatz von Düngemitteln verdrängten den Buchweizen im Laufe des 18. Jahrhunderts wieder. Heute findet er indes Liebhaber, besonders als glutenfreier Getreideersatz, und kann sich als Nischenprodukt in der Landwirtschaft halten. Die weltweit größten Anbaugebiete dieser insgesamt nicht sehr bedeutenden Nahrungspflanze sind China, Russland und die Ukraine.
Die als Getreideersatz genutzten, nussig schmeckenden Buchweizenfrüchte sind reich an Vitamin- und Mineralstoffen, besonders Kalzium und Vitamine der B-Gruppe, sowie wertvollem Pflanzeneiweiß. In Polen und Russland ist ein Buchweizenbrei sehr beliebt, der dort Gretschnewaja Kascha heißt. Auch bei uns bekannt sind die aus Russland stammenden Bliny. In Europa sind ebenfalls zahlreiche Rezepte mit Buchweizen entstanden. Die Italiener zum Beispiel nutzen Buchweizenmehl für die Nudelsorte Pizzoccheri, die Franzosen machen Pfannkuchen aus dem bei ihnen als blé noir, schwarzer Weizen, bezeichneten Buchweizenmehl. Grütze war wegen ihrer Nahrhaftigkeit und langen Haltbarkeit im 17. und 18. Jahrhundert ein begehrter Schiffsproviant.
Einen hohen Wert haben die süß duftenden und nektarreichen Buchweizenblüten als Bienentrachtpflanze. Hühner bekommen Buchweizen als Kraftfutter, die Schweine fressen die Buchweizenkleie.
Erst spät entdeckte man die medizinische Bedeutung des Buchweizens, der sich bei intensiven Forschungen als eine der flavonoidreichsten Pflanzen herausstellte, und kürte ihn 1999 zur Arzneipflanze des Jahres.