
Im Mittelmeergebiet wurde das Bingelkraut dem Heilgott Merkur zugeordnet, ihm verdankt es auch seinen Gattungsnamen Mercurialis. Auch die Nordgermanen schätzten das Bingelkraut sehr und widmeten es dem Asengott Wodan/Odin.
Im Mittelalter war das Bingelkraut Bestandteil von Hexensalben, die nach einer alten Rezeptur folgende neun Kräuter enthalten sollten: Mohnkraut, Eisenkraut, Godeskraut (Mercurialis), Hauswurz, Liebfrauenhaar (Mauerraute), Sonnenwende (Heliotropium), Bilsenkraut, Tollkirsche und Sturmhut (Eisenhut).
Eine weitere Besonderheit ist das Farbverhalten des Bingelkrautes. Der Inhaltsstoff Hermidin wird je nach Verarbeitung in einen blauen, roten oder braunen Farbstoff umgewandelt. Während er bei der Ausscheidung eine Rotfärbung des Harns bewirkt, färben sich die Pflanzenteile beim Trocknen blau. Aufgrund dieser tiefblauen Färbung wurde das Bingelkraut früher auch als Indigo angesehen. Der ebenfalls beim Trocknen entstehende, leicht unangenehme Geruch verhalf dem Bingelkraut zu seinem volkstümlichen Beinamen "Stinkerich".